Wie Ying, Zhen und Fen leben

26. Jänner 2014, 17:12
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Drei kleine Schwestern in einem chinesischen Dorf: Wang Bings Doku "Allein" am Montag auf Arte

Dicke Wolken hängen schwer und tief über Berggipfeln, zu hören ist nur ein schnaubender Wind. Der Panoramablick geht hinunter in ein Tal, aber hier oben, auf rund 3200 Metern, leben drei kleine Schwestern in einem chinesischen Dorf: "Ying ist zehn, Zhen ist sechs und Fen vier Jahre alt. Die Mutter hat die Familie verlassen, der Vater arbeitet in der Stadt", heißt es noch in knappen Textinserts.

Dann ist man schon mittendrin im mühevollen Alltag der Mädchen - und in Wang Bings Dokumentarfilm "Allein". In den Bergen von Yunnan. Der Filmemacher, ein verlässlicher Chronist der örtlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Randlagen seines Landes, und sein Tonmann haben Zeit mit der Familie in der kleinen Gemeinde verbracht und dabei aus nächster Nähe beobachtet und aufgezeichnet: wie der Tag in dem dunklen Wohn-, Schlaf- und Küchenraum beginnt. Wie Ying sich um ihre Schwestern kümmert. Welche Arbeiten zu verrichten sind, im Hof bei den Gänsen, draußen auf der Weide bei den Schweinen. Wie der Vater zurückkehrt, um die beiden Kleineren mitzunehmen in die Industriegegend, wo er seiner harten Arbeit nachgeht. Wie Ying danach alleine die Schafe versorgt oder sich in einem Streit mit einem Nachbarsmädchen behaupten muss.

"Allein" ist die Fernsehfassung von Wang Bings epischem Dokumentarfilm "Drei Schwestern/San zimei" von 2012. Dabei arbeitete Wang vor allem mit langen, ungeschnittenen Einstellungen. Aber auch die sorgfältig komprimierte 77-minütige TV-Fassung überzeugt, weil man sich auch in diesem Kontext auf das zu Sehende einlassen muss: Keine Off-Musik, kein Kommentar, kein Effekt verstellt den Blick und die Einsicht. Montag, Arte, 0.20 Uhr. (Isabella Reicher, DER STANDARD, 27.1.2014)

  • "Allein" von Wang Bing: Montag, 0.20 Uhr, Arte.
    foto: wang bing/arte

    "Allein" von Wang Bing: Montag, 0.20 Uhr, Arte.

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