Eine kosmische Fügung

26. Jänner 2014, 11:44
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Freund kommt aus dem Fernsehen, Larissa verschlug es in das Fernsehen, und sie haben mehr gemeinsam, als es zunächst den Anschein hat

Der Fall Larissa und der Fall Freund waren die beherrschenden Themen der Woche. Zwei Menschen aus Kärnten. "Larissa regt Kärnten auf. Politiker sorgen sich inzwischen um das Image von Klagenfurt", wusste "Österreich" zu berichten. Freund hat weit über Kärnten hinaus aufgeregt, auch in seinem Fall machen sich Politiker Sorgen. Er kommt aus dem Fernsehen, Larissa verschlug es in das Fernsehen, und sie haben mehr gemeinsam, als es zunächst den Anschein hat. Beide stammen aus St. Kanzian am Klopeiner See. Freund gestand im "Kurier": "Ich neige leider dazu, nicht alle Fettnäpfchen zu umschiffen, denn: Das ist mein Problem, dass ich frei nach dem Mund spreche". Nicht nur seines, vorläufig.

"Mit dem 'Kurier' besuchte Freund seine Kärntner Heimat", allwo er dem Blatt "frei nach dem Mund" erklärte: "Meine EU-Kandidatur stand in den Sternen", was die Qualitäten des SPÖ-Vorsitzenden als Menschenfischer leicht relativiert. Es liegt aber ein klarer Fall von höherer Gewalt vor, denn so Freund: "Kandidatur war kosmische Fügung." Dagegen ist sogar eine Partei wie die SPÖ machtlos. Freund hat es ohnehin vor allen anderen gewusst, verriet er doch "schon im Oktober" seiner Frau: "Weißt du, was ich wirklich gerne machen würde? Ich wäre gern Abgeordneter im EU-Parlament." Und was geschah? "Knapp vor Weihnachten bekam ich einen Anruf von Josef Ostermayer". Der ist ein professioneller Sterndeuter.

Kleine Unschärfen, Arbeitergehälter betreffend, trübten kurz das Bild Freunds als eines politischen Kopfs. Das konnte er im "Kurier" ausbügeln. "Vor Haiders Zeit als Landeshauptmann hupte ich immer als Begrüßungsritual im letzten Packtunnel vor der Kärntner Grenze. Das habe ich als Protest gegen Haider eingestellt." Das muss den Bärentaler schwer getroffen haben. Kein Wunder, dass Michael Jeannée in der "Krone" daraufhin seine Huldigungsadresse an Freund aus der Vorwoche in ihr Gegenteil verkehrte, mit dem Argument, Freund habe "unmissverständlich mit beispielloser Arroganz der bekannten ORF-Talkerin Barbara Karlich Leere im Kopf attestiert." Aber wenn man "frei nach dem Mund" spricht, kann es noch ganz anders kommen. Seine Bestellung durch den Bundeskanzler lobte Freund mit den Worten: "Da kann ich nur sagen - alle Achtung! Werner Faymann weiß, dass ich kein Hohlkopf bin!" Die Sterne lügen eben nicht, auch wenn Jeannée das als "Schleimerei" empfand. Und auf diesem Gebiet kennt er sich ja aus wie kein anderer.

Ein erschütterndes Dokument politischer Frustration lieferte Josef Broukal mit dem Brief an den "Lieben Eugen Freund" in der "Kronen Zeitung" von Sonntag. Er erinnerte sich darin "an den 15. Oktober 2002. An den Tag, an dem ich vom Journalismus in die Politik wechselte. Ein paar Tage schwebte ich auf Wolke sieben. Aber dann ... Der Alltag eines Kandidaten. Er wird auch Dich einholen. Termine vom Morgen bis in den Abend. Unterwegs im Auto, Zug, Flugzeug. Große Veranstaltungen und kleine. Oft an der Grenze der Belastbarkeit, manches Mal drüber. Mit dem übersichtlichen Leben eines 'ZiB'-Moderators hatte das nichts mehr zu tun."

"Und dann", geht Broukals Jeremiade weiter: "der Wahlabend. In meinem Fall enttäuschend, in Deinem Fall vielleicht mit Platz eins bei der EU-Wahl gekrönt. Noch ein paar Tage feiern und ausrasten, dann die ersten Sitzungen im Parlament. Und auf einmal merkst Du: Im Politiker-Alltag nutzt Dir Dein Promi-Bonus gar nichts. Das war schon in Wien so, wo einen alle kannten. Wie wird es erst in Brüssel sein?"

"Kosmische Fügungen" sind eben auch nicht immer ein Honiglecken. "Und dann die Medienarbeit! Hoffentlich glaubst Du nicht, dass Deine ehemaligen Berufskollegen Dir besonders freundlich gesinnt sein werden. Ganz im Gegenteil. Mit Dir werden sie härter umgehen. Du wirst um jede Schlagzeile kämpfen müssen und um jeden Artikel, in dem Du Dich den Menschen erklären willst." Das lief ja bisher ganz gut. Wo es doch "das große Ziel ist: Den einen Satz, den einen klugen Gedanken zu finden, den dann die Zeitungen zitieren und die Menschen sich ein paar Tage merken". Auch das voll gelungen.

Broukals Bericht vom qualvollen Leben der Politiker macht sicher, dass es Larissa aus St. Kanzian im Dschungelcamp noch gut getroffen hat. "Höllenfahrt in der Kakerlaken-Karosse", so "Österreich". "Mehlwürmer, Kakerlaken und Ameisen klebten an ihrem Körper". In diesem Fall dürfte es sich aber kaum um eine "kosmische Fügung" handeln. (Günter Traxler, DER STANDARD, 25./26.1.2014)

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