Entscheidungsspiele

24. Jänner 2014, 17:38
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Seit der begnadet hölzerne Gastgeber zu seinen Talks den Showdino "Wetten, dass...?" hinzunahm, kommt er nicht aus dem Skepsisgerede.

Die Teilnahme am Dschungelcamp ist ein verzweifelter Versuch, durch Überschreiten eigener Ekel- und Würdegrenzen ins große Camp des allgemeinen Publikumsinteresses vorzudringen. Allerdings geht es in einem solchen auch ungemütlich zu – siehe Markus Lanz: Seit der begnadet hölzerne Gastgeber zu seinen Talks den Showdino "Wetten, dass...?" hinzunahm, kommt er nicht aus dem Skepsisgerede.

Der Mann ist zwar hart im Nehmen und scheint die Hitze in der Mikrowelle des Unmuts gut auszuhalten. Nun jedoch schwappt der Volkszorn auch auf seinen Wochentagsjob über: Nachdem er die linke Denkerin Sahra Wagenknecht einer Fragefolter unterzog, verewigten sich 130.000 entrüstete Unterzeichner in einer Online-Petition und forderten die Lanz-Absetzung. Der ließ sich zum Wochenende in seiner Talkshow nicht direkt etwas anmerken. Auffällig war jedoch, dass Lanz beim ersten Gast, Ministerpräsident a. D. Bernhard Vogel, epische acht Minuten bis zur zweiten Frage brauchte und in sechzehn Vogel-Minuten nur neun Anfragen stellte. Lanz wollte wohl Lernfähigkeit signalisieren.

Ob solche Musterschüler­momente helfen, bleibt fraglich. Lanz ist womöglich längst in einem selbstgebauten Camp der Missgunst, aus dem es kein Entrinnen gibt. Jede "Wetten, dass...?"-Folge ist denn auch von nun an für ihn ein Entscheidungsspiel. Wobei: Die Quote kann auch das hochjagen.

Die Lust an Moderatoren­virtuosität ist ja eine Schwester der Vorfreude auf die ersehnte Katastrophe – Aufmerksamkeit ist Lanz also sicher. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 25./26.1.2014)

  • Markus Lanz in "Wetten, dass...?" und im Talk, nachzusehen auf ZDF Mediathek.
    foto: orf

    Markus Lanz in "Wetten, dass...?" und im Talk, nachzusehen auf ZDF Mediathek.

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