"Larissa ist ein begabtes Luder"

24. Jänner 2014, 17:08
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Prinzipiell findet Erni Mangold das Dschungelcamp sterbenslangweilig, der Österreicherin Larissa Marolt gesteht sie aber Talent zu. DER STANDARD bat die Kammerschauspielerin und langjährige Ausbildnerin zum televisionären Lokalaugenschein

Wien - Erni Mangold ist kein Fan. "Mich langweilt das zu Tode", sagt die Schauspielerin nach Erstkontakt mit der Dschungelshow, der auch nur deshalb zustande kommt, weil DER STANDARD die Schauspielerin, Theaterregisseurin und langjährige Ausbildnerin um ihre Expertise bat: Ist die "Dschungelshow" nun großes Kino oder der allerletzte Müll, produziert von einer skandalismusgesteuerten Fernsehindustrie und konsumiert von einem degenerierten, sadistischen Schaumob?

So eindeutig weder das eine noch das andere, urteilt Mangold. Das Bühnenstück "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" vergleicht sie mit "einer schlechten Seminaraufführung." Umgekehrt anerkennt sie die Anstrengungen der Teilnehmer um eine den Erwartungen des Publikums entsprechende Performance. "Sie bemühen sich", sagt Mangold. Wobei: "Die Buben sind um eine Spur besser als die Mädels, weil sie sich weniger verstellen."

Mehr als 50 Prozent Marktanteil schafft RTL in Deutschland. In Österreich sind regelmäßig mehr als 300.000 dabei. "Fürchten tut sich da keiner", ätzt Mangold. Das Bühnenbild sei "künstlich und unecht", die Dramaturgie zwischen "gut gestrickt und primitiv". Die Theatralik der Szenerie wirkt auf sie "hineingemampft und schmalbrüstig". Den Moderatoren gesteht sie einen "seltsamen Charme" zu.

"Dirndlt sich in die Rolle"

Mangold bildete Schauspieler wie Michael Schottenberg und Anne Tismer aus. 20 Jahre lehrte sie am Reinhardt-Seminar, später an der Universität für Musik und darstellende Kunst. Am Sonntag feiert sie ihren 87. Geburtstag. Derzeit steht sie in "Josef und seine Brüder" nach einem Buch von Thomas Mann im Wiener Theater in der Josefstadt auf der Bühne.

Larissa Marolt, die verhaltensauffällige Österreicherin im Camp, besteht Erni Mangolds Eignungstest allerdings mit Bravour: "Sie ist ein begabtes Luder. Für den Schauspielerberuf sicher geeignet." Marolt verfüge über ein "sehr, sehr gutes Körpergefühl. "Sie dirndlt sich in die Rollen hinein und lässt sich völlig fallen. Das geht bis zu einer gewissen Trance. Darin gefällt sie sich besonders."

"Passt zum Berufsbild"

Marolt wühlt die einschlägig informierte Öffentlichkeit auf. Die Zuschauer schicken die extrovertierte Kärntnerin ein ums andere Mal zur Dschungelprüfung, wo es Kakerlaken auf sie regnet, sie in Gedärmen wühlt und Hirschsperma trinkt. "Wenn sie wütend wird, da ist sie auch nicht schlecht", lobt Mangold: "Sie merkt, wie weit der Zorn sie trägt und wann es zu viel ist." Marolt sei egoistisch, neurotisch, wolle um jeden Preis im Mittelpunkt stehen: "Passt zum Berufsbild", sagt Mangold. Schwächen gibt es: "Diese merkwürdige ablehnende Haltung ist aufgesetzt. Das ist zu offensichtlich." Mangold rät: "Sie muss vorsichtig sein, damit sie nicht zu unsympathisch wirkt."

Und hat die wilde Marolt Ähnlichkeiten mit der heißblütigen Mangold? "Schon", sagt die Schauspielerin: "Als ich jung war, war ich frech wie sie. Nur spritziger und intelligenter." Als zornige Querulantin geigte Mangold in ihrer Jugend groß auf: "Da war ich besser als die Kleine." Aber in der Konzentration "schlampiger. Ich habe auch nicht zugehört, weil ich immer sehr mit mir selbst beschäftigt war. Mit meiner Extrovertiertheit bin ich auch über viele drübergefahren. Bei mir war es ein Selbstschutz gegen meine eigene Verletzlichkeit. Bei Larissa wird es ähnlich sein." Alles in allem bleibt Mangold der Campismus zuwider. Sie weiß sich "mit dieser Form der Unterhaltung nichts anzufangen und ist froh, als die Stunde vorbei ist. Noch einmal Dschungelcamp? "Nein, ich habe meine Pflichtübung gemacht. Das muss reichen." (Doris Priesching, DER STANDARD, 25./26.1.2014)

  • Erni Mangold testet die Qualitäten des Dschungelcamps mit der (noch) ungekrönten Dschungelkönigin Larissa Marolt.
    foto: rtl

    Erni Mangold testet die Qualitäten des Dschungelcamps mit der (noch) ungekrönten Dschungelkönigin Larissa Marolt.

  • Mangold über Marolt: "Als ich jung war, war ich frech wie Larissa Marolt. Nur spritziger und intelligenter."
    foto: standard/corn

    Mangold über Marolt: "Als ich jung war, war ich frech wie Larissa Marolt. Nur spritziger und intelligenter."

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