Revolutions-Jahrestag in Ägypten: Wieder ganz am Anfang

Kommentar24. Jänner 2014, 18:00
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Viele durchaus kritische Ägypter und Ägypterinnen halten al-Sisi für eine geeignete Übergangsfigur

Den dritten Jahrestag des Ausbruchs des Aufstands gegen Hosni Mubarak am 25. Jänner 2011 haben sich die Ägypter anders vorgestellt. Wieder stehen sie ganz am Anfang. Bei den ersten freien Wahlen im Winter 2011/12 hatten sie sich, geht es nach dem politischen Establishment von heute, geirrt, ihre Ergebnisse wurden revidiert. Ein Teil der Bevölkerung geht den neuen Weg mit großer Begeisterung, ein anderer bleibt zurück.

Allerdings ist es seit dem Verfassungsreferendum vor zehn Tagen etwas stiller geworden, die fröhliche Urständ feiernde Sisimanie rund um den Armeechef ist trotz der hohen Zustimmungsquote gedämpft. Gemessen an den eigenen Ansprüchen war die niedrige Wahlbeteiligung an der Abstimmung ein Desaster. General Abdel Fattah al-Sisi konnte danach nicht einfach vortreten und von einem ihm vom Volk verliehenen überwältigenden Mandat sprechen. Klar ist dennoch, dass er Präsidentschaftswahlen, träte er an, gewinnen würde.

Viele durchaus kritische Ägypter und Ägypterinnen halten al-Sisi für eine geeignete Übergangsfigur, Betonung auf Übergang. Wenn es denn nur einer wird. Gefahr in dieser Beziehung droht nicht nur von der Armee, die nicht auf ihre über der Verfassung stehenden Rolle verzichten will. Der Terrorismus militanter Islamisten gegen Staatseinrichtungen häuft sich, und die Antwort darauf war noch nie "mehr Demokratie". (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 25.1.2014)

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