Jobwechsel: Warum die Freude nicht lange hält

24. Jänner 2014, 17:06
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Euphorie und Ernüchterung beim Jobwechsel

Karrieren finden und fanden in den seltensten Fällen nur bei einem Arbeitgeber statt. Beim Nachdenken und Forschen über Karrieren geraten damit rasch Jobwechsel in den Blickpunkt. Studien zeigen, dass es im Wesentlichen zwei Faktoren sind, die einen Wechsel auslösen: eine geringe Arbeitszufriedenheit und alternative Jobmöglichkeiten, die relativ einfach genutzt werden können. Gibt es keine Alternativen, folgt häufig die innere Kündigung bzw. Dienst nach Vorschrift. Wie geht es jedoch mit der Arbeitszufriedenheit weiter, wenn eine der Alternativen wahrgenommen wird?

Gemeinsam mit Kollegen von der Uni Hamburg gingen wir dieser Frage nach, indem wir Daten von 1375 Personen mit Führungsaufgaben in Deutschland analysierten. Wie erwartet waren die Jobwechsler ein Jahr, bevor dieser tatsächlich durchgeführt wurde, deutlich weniger mit ihrer Arbeit zufrieden als jene, die im aktuellen Job blieben.

Anschließend zeigt sich ein interessantes Muster. Kurz nach dem Wechsel steigt die Zufriedenheit deutlich an, um nach nur einem Jahr wieder abzusinken. Damit bestätigt sich der Befund einer US-Studie, der dieses Muster auch seinen Namen verdankt: der "Honeymoon-Hangover-Effekt". Egal ob in den USA oder in Deutschland, egal ob in den 1990er- oder den 2000er-Jahren, egal welche Hierarchiestufe - auf die anfängliche Euphorie folgt Ernüchterung.

Erwartungen

Woran könnte das liegen und was bedeutet das für den Einzelnen und Organisationen? Erwartungen an den neuen Job nehmen hier eine wichtige Rolle ein. Insbesondere Organisationen, die überzogene Erwartungen wecken und Jobbewerber, die "neu" mit "besser" gleichsetzen, laufen Gefahr, einen bösen Kater zu erleben. In der Erinnerung an den alten Job verblassen dessen positive Aspekte, und insbesondere zum Beginn eines neuen Jobs überstrahlt der Reiz des Neuen die weniger erfreulichen Seiten.

Was nützt, ist zum einen Erfahrung: Personen, die bereits mehrere Jobwechsel hinter sich haben, äußern wesentlich passendere Erwartungen bezüglich der zukünftigen Stelle. Zum anderen hilft es auch, genau zu prüfen, bevor man sich bindet, und im Vorfeld möglichst viele Informationen über den potenziellen Arbeitgeber und die anvisierte Stelle zu besorgen.

Und genau hier kommen die Organisationen selbst ins Spiel, die qualifizierten Bewerbern den Job möglichst schmackhaft machen möchten und so dazu beitragen die Erwartungen in die Höhe zu schrauben. Gleichzeitig sollten sie aber darauf achten, dass die Ernüchterung bei Neueinsteigern nicht zu heftig wird, da sonst die Gefahr einer baldigen Kündigung droht. Bereits vor der Anstellung im Zuge des Bewerbungsprozesses kann hier gegengesteuert werden.

Wie einige Studien zeigen, sind es vor allem zwei Methoden, die dazu beitragen, die Fallhöhe zu reduzieren und somit die Verweildauer bei einem Unternehmen zu erhöhen. Eine realistische Vorschau auf den Job, wo nicht nur die positiven, sondern auch die unangenehmen Seiten klar kommuniziert werden, und eine Aufklärung der Mitarbeiter über den "Honeymoon-Hangover-Effekt". (Markus Latzke, DER STANDARD, 25./26.1.2014)

Markus Latzke ist Assistant Professor am Interdisziplinären Institut für Verhaltenswissenschaftlich Orientiertes Management an der WU Wien.

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