Wie es zum Siegeszug des vielzelligen Lebens kam

26. Jänner 2014, 12:00
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Ein neues Modell lieferte Hinweise, welche Vorteile Größe in den Ur-Ozeanen mit sich brachte

Washington/Ottawa - Vor 635 bis 541 Millionen Jahren, also noch vor dem Kambrium mit seiner durch zahlreiche Fossilienfunde belegten Artenvielfalt, lag das Zeitalter des Ediacariums. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts hatte man noch keine Ahnung von diesem entscheidenden Abschnitt der Evolution. Und selbst nach den namensgebenden Fossilienfunden in den australischen Ediacara Hills sollte sich deren Bedeutung erst im Verlauf von Jahrzehnten herausschälen.

Es war das Zeitalter der ältesten bekannten vielzelligen Lebewesen - manche davon sogar bereits metergroß. Der große Unterschied zu späteren Zeitaltern: Sämtliche dieser Organismen hatten einen weichen Körper. Schalen, Zähne, Stacheln und sonstige Hartteile existierten noch nicht. Und auch wenn von der "Ediacara-Fauna" gesprochen wird, ist bis heute nicht eindeutig geklärt, ob diese Organismen Vorfahren der heutigen Tiere waren bzw. ob es überhaupt Tiere waren. Oder ob sie womöglich einen Zweig des Lebens bildeten, den es neben den heutigen Tieren, Pflanzen und Pilzen nicht mehr gibt.

Auf die Größe kommt es an

Dafür glauben Forscher nun eine Erklärung dafür gefunden zu haben, warum die Vielzeller damals recht rasch auf die Erfolgsstraße kamen, nachdem sich die irdische Biosphäre davor Milliarden Jahre lang mit Einzellern begnügt hatte. Die Antwort glauben Marc Laflamme von der Universität im kanadischen Toronto und Astrobiologen der US-Weltraumbehörde NASA im Nahrungskampf ausgemacht zu haben.

Durch ihre schiere Größe konnten die mehrzelligen Organismen mit den kleineren, aber eigentlich leistungsfähigeren Einzellern wie Bakterien konkurrieren. Bakterien bildeten damals schon seit langem großflächige Matten am Meeresboden. Nun aber kamen blattförmig aussehende Ediacara-Wesen hinzu, die sich einen Meter über den Meeresboden erhoben und so auch an nährstoffreiche höhergelegene Wasserschichten gelangten. Laut Laflamme war der Nährstoffertrag so groß, dass er den durch das Wachstum erhöhten Verbrauch mehr als ausgleichen konnte: Ein neues evolutionäres Erfolgsmodell war geboren.

Für ihre im Fachmagazin "Current Biology" veröffentlichte Studie rekonstruierten die Forscher die Meeresströmungen in Ozeanen vor etwa 580 Millionen Jahren. Das dreidimensionale Modell sollte veranschaulichen, wie dichte Bakterienteppiche und die frühen Mehrzeller dort um die Nährstoffe konkurrierten - mit dem genannten Ergebnis. "Die Wissenschaft hat sich immer schwergetan, das Wachstum der frühesten Formen vielzelligen Lebens zu erklären", sagt Laflamme. "Die Untersuchung hilft dabei, die Entwicklung von einer durch mikroskopisch kleine Bakterien beherrschten Welt zu unserer heutigen Welt zu verstehen, auf der Tiere und Pflanzen dominieren." (red, derStandard.at, 26. 1. 2014)

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