Was auch Forscher anspornt

26. Jänner 2014, 18:18
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Ähnlich wie auch in der privaten Wirtschaft gehört Geld nicht mehr zu den Motivatoren. Viel mehr zählen Anerkennung und Selbstbestimmung

Die Wissenschaft ist frei, wird gesagt. Nur hat diese auch unter bestimmten Rahmenbedingungen zu kämpfen - Mittel, Ressourcen, scharfer internationaler Wettbewerb, erhöhter Druck in Lehre und Forschung. Leistung zählt auch dort - wie überall. Nur, nach welchen Kriterien wird sie bewertet? Werden Parameter wie Publikationszahlen überhaupt noch als angemessen und zeitgemäß empfunden? Und: Wie schaffen es Leiter von Forschungsgruppen (zum Beispiel), ihre Teams zu mehr und kreativer Leistung anzuspornen?

Fragen, denen eine Arbeitsgruppe rund um Isabell M. Welpe und Claudia Peus von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Technischen Universität München nachgegangen sind. Erkenntnisse aus unterschiedlichen Studien wurden in dem Projekt „P3 - Pay Professors for Performance?" zusammengetragen. Wie auch dieses Ergebnis einer Befragung unter 1697 jungen Wissenschafterinnen und Wissenschaftern in Deutschland: Geld spielt als Leistungsanreiz die kleinste Rolle. Eher ließen sich die jungen Forscher von der Aussicht auf mehr Eigenständigkeit motivieren - am stärksten jedoch durch Anerkennung. Besonders großen Wert legen die Jungforscher „auf zwischenmenschliche, oft ganz informell ausgedrückte Formen der Anerkennung", zum Beispiel ein Lob vom Chef. Schnell wird deutlich, dass mit der Leistung des Teams auch die Anerkennung von dessen Leiter oder Leiterin steht oder fällt.

Mehr als Fachwissen gefragt

Führung und Führungsstile werden auch in wissenschaftlichen Arbeitsgruppen relevanter - rein fachliche Expertise ist nun auch hier zu wenig geworden. Denn eine weitere Erkenntnis der Forschergruppe P3 lautet: „Wissenschafterinnen und Wissenschafter sind zufriedener, wenn sie ein gutes Vertrauensverhältnis zu ihren Vorgesetzten haben. Dies können Führungskräfte durch ein motivierenderes und individuell unterstützendes Verhalten fördern."

In der Folge führe es auch zu höherer Zufriedenheit, wenn Vorgesetzte „inspirierende Zukunftsvisionen mitbringen und hohe Leistungsziele setzen sowie ihren Mitarbeitern individuelles Feedback geben". Gemessen an „objektiven Kriterien" heißt mehr Motivation mehr Publikationen in Fachzeitschriften. Stellt sich also gleich die nächste Frage: Was zählt in der Forschung als Leistung und/oder wie lässt sie sich angemessen beurteilen? Aus Sicht der befragten Wissenschafter jedenfalls sei das System, allein nach der Zahl von Veröffentlichungen in sogenannten „journals" zu gehen, nicht ausreichend. Nicht zuletzt auch deshalb, als der Rang der Zeitschriften in der Regel danach gemessen wird, wie häufig daraus zitiert werde. Das befördere tendenziell eher „Mainstream-Forschung ohne Risiko", so die Kritik. Die befragten jungen Forscher jedenfalls würden aus ihrer Sicht den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn als Leistungsindikator höher bewerten als eine Publikationsleistung. Einleuchtend, aber schwer messbar.

Employer-Branding für Unis

Immer deutlicher wird - und nun auch in der Hochschullandschaft -, dass die Haltung zu Themen des soziokulturellen, politischen und wirtschaftlichen Umfelds und die eigene Kultur in der Organisation - also in Forschung und Lehre - die Attraktivität der Institutionen beeinflussen. Die P3-Forscher regen an, über ein "University-Employer-Branding" nachzudenken, um im internationalen Wettbewerb mehr Spitzenforscher anzuziehen. Ein Indikator, der die Attraktivität erhöhen könnte, sei, Nachwuchsforschern neben mehr Anerkennung auch mehr Autonomie zuzugestehen und dies bei den Stellenausschreibungen auch deutlicher zu formulieren, so man sie denn auch gewährt. Geradezu ein Klassiker im War for Talents. (haa, DER STANDARD, 25./26.1.2014)

  • Forscher der Technischen Universität München haben aus mehreren Studien extrahiert, was Wissenschafter in ihrem Tun anspornt.
    foto: istockphoto.com /dny59

    Forscher der Technischen Universität München haben aus mehreren Studien extrahiert, was Wissenschafter in ihrem Tun anspornt.

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