Lugner, Lesben und "Österreich" als Fall für das Strafgericht

24. Jänner 2014, 17:06
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Einer jungen Frau wurde von der Boulevardzeitung eine Beziehung mit Richard Lugner und Homosexualität angedichtet. Das hält sie für rufschädigend

Wien – "Sie wollten nicht das nächste Tier in seinem Zoo werden", sagt Richter Stefan Apostol zur jungen Frau, die "Österreich" verklagt hat. Da ihr unter dem Titel "Lugners Liebe ist eine Lesbe" nicht nur ein Verhältnis mit dem Unternehmer angedichtet, sondern auch etwas über ihre sexuelle Orientierung behauptet wurde, das sie als "ruf- und berufsschädigend" empfindet.

"Sie heißen Richard Lugner", begrüßt Apostol den ersten Zeugen. Der sich nur dunkel an den vergangenen September erinnern kann. Er habe die Antragsstellerin damals nur zwei- oder dreimal gesehen und sie einmal heimgefahren. Über ihre Homosexualität hätten sie nicht gesprochen, auch von berichteten körperlichen Kontakten mit dem Oberschenkel der Frau bei der "Brunner Wiesn" weiß er nichts. "Ich bin einer, der viel in den Medien ist", stellt er berechtigterweise fest, "aber ich würde niemandem auf den Oberschenkel greifen."

Ganz anderes schildert seine Ex-Frau Christine. Sie habe die Antragsstellerin erstmals bei einer Autofahrt, bei der ein Journalist dabei war, gesehen. Und dort habe die Frau offen über ihre Homosexualität gesprochen. Und bei der "Wiesn" erst recht. "Es waren vielleicht fünf Promis und 20 Medienvertreter dort, die haben uns niedergeschossen", demonstriert Lugner ihr Wissen über Fotografensprache.

Gelächter bei der Wiesn

Bei der Veranstaltung habe die Antragsstellerin bei einem Annäherungsversuch von "Herrn Ingenieur Lugner", wie sie ihren Ex-Mann konsequent nennt, wieder lautstark verkündet, dass sie lesbisch sei. "Das hat für viel Gelächter am Tisch gesorgt", behauptet sie. Und das habe sie, Lugner, später auch dem "Österreich"-Journalisten erzählt.

Außerdem sei die Frau auch in Facebook Mitglied einschlägiger Gruppen gewesen und habe öffentlich gepostet. "Und das darf man verwenden", glaubt Lugner. "Wenn's so einfach wäre", antwortet Antragsstellervertreter Michael Rami, Apostol steuert "Können und Dürfen sind zwei verschiedene Sachen" bei.

Die von der Berichterstattung Betroffene bestreitet diese Darstellungen vehement: "Er hatte keine Begegnung mit meinem Oberschenkel!" Lugner habe zwar einen Annäherungsversuch probiert, den sie aber mit: "Ich habe schon einen Opa" gekontert habe. Und überhaupt: Sie sei bisexuell, "das ist ja noch was anderes".

Entschädigung für Bloßstellung

Apostol sieht das auch so. Er spricht ihr, nicht rechtskräftig, 4000 Euro Entschädigung zu. Weil der Artikel falsch und "geeignet sei, sie in der Öffentlichkeit bloßzustellen". Ob er damit eine Baumeister-Beziehung oder Homosexualität meint, bleibt offen. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 25./26.1.2014)

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