Kindergartenpädagogen wollen endlich in Bundeskompetenz

24. Jänner 2014, 13:25
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Einheitliche Rahmenbedingungen und gemeinsame Pädagogenausbildung gefordert

Wien - Seit mittlerweile zwanzig Jahren kämpft der Dachverband der Kindergarten- und HortpädagogInnen in elementaren bis sekundären Bildungseinrichtungen (ÖDKH) für die Überführung der Kindergärten und Horte in die Bundeskompetenz. Da es kein zuständiges Ministerium gebe, müsse das Kanzleramt nun die Sache in die Hand nehmen, forderte Vorsitzende Raphaela Keller bei einer Pressekonferenz am Freitag.

So sei etwa das Unterrichtsministerium nur für die Ausbildung der Pädagogen zuständig, Ausführungsgesetze bezüglich der Kindergärten seien aber Landessache. "Wir hören immer nur: 'Wir sind nicht zuständig. Fragen Sie doch die Länder' oder umgekehrt: 'Fragen Sie doch den Bund'", beklagte Keller. In den einzelnen Bundesländer mit ihren unterschiedlichen Entlohnungs- und Infrastrukturvorgaben heiße es immer wieder: "Bei uns geht's euch eh am besten."

Weniger Kinder pro Gruppe

Natürlich habe sich in den zwanzig Jahren seit Bestehen des Verbandes einiges geändert, so Keller: "Als wir angefangen haben, gab es 33 bis 38 Kinder pro Gruppe." Mittlerweile sei man in allen Bundesländern darunter - im Regelfall sind es 20 bis 25 Kinder, in den Krippen bis zu 15. "Das ist aber noch immer zu viel". International empfohlen werde für Unter-Zwei-Jährige höchstens sechs Kinder, für Zwei- bis Dreijährige maximal zwölf und darüber maximal 20 Kinder pro Gruppe. Bei den Null- bis Zweijährigen sollten maximal drei Kinder auf einen Pädagogen kommen, bei den zwei- bis Dreijährigen fünf Kinder, bei den Drei- bis Sechsjährigen acht und den Sechs- bis Zwölfjährigen im Hort zehn Kinder.

Außerdem sollten künftig zwei pädagogische Kräfte pro Gruppe während der gesamten Öffnungszeit anwesend sein. Darüber hinaus sollten für jede Person im Gruppenraum vier Quadratmeter zur Verfügung stehen - derzeit würden bei den entsprechenden Vorgaben Räume wie Turnsäle in die Mindestquadratmeterzahl eingerechnet, so Keller.

"Jede Sekunde ist Bildungszeit"

Nach wie vor sei der Gedanke, dass Bildung schon viel früher als in der Schule anfange, in den Köpfen der Verantwortlichen noch nicht verankert: "In der Schule ist vieles schon zu spät", so Keller. "Es geht nichts ums Aufpassen, dass keiner dem anderen mit dem Baustein draufschlägt. Jede Sekunde ist Bildungszeit." Dies könne mit den derzeitigen Ressourcen aber nicht eingelöst werden: "Kinder brauchen persönliche Kommunikation, um etwas zu lernen."

Die Eltern sieht Keller leider nur zum Teil als Verbündete: "Eltern sind oft froh, wenn sie einen Kindergartenplatz haben, ab dann sind sie unkritisch. Es ist gut, dass das Kind unverletzt heimkommt, einmal eine Zeichnung dabei hat und wenn gesungen und gespielt wird."

Tertiäre Ausbildung gewünscht

Änderungen fordert Keller auch bei der Ausbildung: Derzeit wird mit der Absolvierung der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik (BAKIP), die ähnlich einer berufsbildenden höheren Schule organisiert ist, die Berufsberechtigung erworben. Keller wünscht sich die BAKIP zu einem pädagogisch-sozialen Gymnasium zu entwickeln, an das sich die normale allgemeine tertiäre Pädagogenausbildung anschließt. Nach einer Basisausbildung von zwei Jahren wähle man dabei dann das Modul Elementarpädagogik.

Derzeit gehe nur eine Minderheit der ausgebildeten Kindergartenpädagogen tatsächlich in den Beruf, meinte Keller. Genaue Erhebungen dazu gebe es leider keine: "Wenn es 30 Prozent sind, sind's viel." Daher würden auch österreichweit Pädagogen gesucht. Der Rest der Absolventen besuche eine tertiäre Ausbildung, viele würden auch nach kurzer Zeit im Kindergarten aussteigen, wenn sie sehen, dass sie die in der Theorie gelernten Dinge in einer Gruppe mit 25 Kindern nicht umsetzen könnten. Weitere Probleme sieht Keller beim Gehalt: Aufgrund der Kompetenzzersplitterung gebe es mangels einheitlichem Kollektivvertrag 20 verschiedene Bezahlungssysteme. "Zum Teil wird unter Mindestlohn bezahlt."

Unterstützung von Grünen und Team Stronach

Unterstützung für die Forderung der Kindergartenpädagogen nach Bundeskompetenz für die Elementarbildung kommt von Grünen, Team Stronach und der Jungen Industrie. "Weniger Kinder pro Pädagogin und Ausbildung auf Universitätsniveau sollten längst selbstverständlich sein", so die Grüne Familiensprecherin Daniela Musiol in einer Aussendung.

Die Grünen verlangen ein Bundesrahmengesetz im elementaren Bildungsbereich. Probleme orten sie im mangelnden Engagement der Gewerkschaft. Im Gegensatz zu den Lehrern mangle es Kindergartenpädagogen an einer starken gewerkschaftlichen Lobby.

"Föderalismus-Wahnsinn beenden"

Auch die Junge Industrie tritt für ein Bundesrahmengesetz zur Sicherung der Qualität und Vereinheitlichung der Rahmenbedingungen an den Kindergärten ein. "Wir müssen gerade in diesem Bereich den Föderalismus-Wahnsinn beenden", so Vorsitzende Therese Niss in einer Aussendung. Außerdem brauche es in diesem Bereich dringend mehr Investitionen und längere Öffnungszeiten.

Der stellvertretende Klubobmann des Team Stronach, Marcus Franz, kündigte einen parlamentarischen Antrag für eine Kompetenzvereinheitlichung an. "Diese Maßnahme ist längst überfällig", so Franz in einer Aussendung. Es brauche "einheitliche Kriterien im Sinne der Kinder, Eltern und Pädagoginnen und Pädagogen". (APA, 24.1.2014)

  • In Österreich ist oft unklar, wer für die Kindergärten zuständig ist.
    foto: epa/christian charisius

    In Österreich ist oft unklar, wer für die Kindergärten zuständig ist.

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