Probeliegen in der Suite

24. Jänner 2014, 13:24
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Das Luxushotel Radisson Blu in der Wiener Innenstadt räumt: Vom Polster bis zum kompletten Hotelzimmer kann alles ersteigert werden

Wien - Seit der STANDARD-Berichterstattung über die bevorstehende Versteigerung des Inventars im ehemaligen Radisson-Blu-Hotel am Wiener Parkring 14 bis 16 - den ehemaligen Palais Leitenberger und Henckel von Donnersmarck - war das mediale Interesse enorm. Bis Samstag um 11 Uhr können sich Interessenten die insgesamt 2.800 Stücke anschauen. Danach findet die Live-Versteigerung vor Ort statt. Alles, was dann noch zu haben ist, kommt online am 29. und 30. Jänner unter den Hammer, sagt Herbert Pribyl vom Versteigerungshaus I.P.G. zum STANDARD. "Wir mussten unsere Server erweitern, der Ansturm war riesig", berichtet Pribyl. Am Freitag kann man noch bis 17 Uhr gustieren, am Samstag stehen die Türen bis zum Start der Auktion um 11 Uhr offen.

Im ehemaligen Hotel, das nach der Renovierung wieder eines werden soll, türmen sich Lampenschirme neben Fernsehern, zwanzig Spiegel lehnen neben mehreren Sitzgruppen an der Wand, im Stiegenhaus sind Decken und Polster gestapelt - ein Interessent vermisst einen Schreibtisch, zwei andere beratschlagen über einer Couch.

250 Zimmer

Tausende Exponate und 250 vollmöblierte Zimmer stehen zur Auswahl, besonders viel Ansturm gibt es aber auf die Suite 620 - hier hat einst Robbie Williams übernachtet. Das Zimmer mit dem begehrten Bett muss jedoch im Komplettpaket erworben werden; 1.500 Interessenten gibt es bereits. An diesem Freitag kann aber nicht nur ein Blick in die Promi-Räumlichkeiten geworfen werden - auch die ganz normalen Zimmer sind von Schatz- und Schnäppchenjägern bevölkert. Jedes Möbelstück ist mit einem Pickerl und einer Nummer markiert, mit der Bieterkarte kann man sich für die Live-Auktion vormerken lassen. Nur die denkmalgeschützten Prunkräume sind geschlossen.

Viele sind heute einfach "nur zum Schauen" gekommen, die Berge aus Hotelsafes und Geschirr überfordern viele Privatkäufer. Aber auch einige Profis sind unterwegs. "Ich habe selbst ein Hotel im k. u. k. Stil", berichtet ein Schweizer, der in seinem Katalog blättert. Ein Pärchen sucht eine Sitzgruppe und einen Luster, während ein älterer Herr die Hotellobby gezielt nach Beistelltischchen abgrast - vielleicht wird es auch ein Fernseher. "Die Couch und die Sessel sehen sehr gut aus, man müsste sie nur neu beziehen", erklärt eine Dame, während sie ein Handyfoto schießt.

Andere Stücke ernten durchaus skeptische Blicke. "Die sind aber nicht unterfüttert", murmelt eine Frau beim Abtasten der Vorhänge. Neben ihr lässt sich eine Dame um die sechzig mit einem Juchzer in Robbie Williams' Bett plumpsen. Andere sind davon nicht so begeistert: "Ich war auch ab und zu hier essen, trotzdem kaufe ich das Besteck nicht", schmunzelt ein Herr. Das Publikum ist jedenfalls bunt gemischt. "Wir haben auch viele Hoteliers, Botschaften und den einen oder anderen, der selbst ein Schlösschen zum Einrichten hat", sagt Pribyl. Bei der bunten Mischung, die sogar Bilder, Eiswürfelmaschinen und Hotel-Hinweistafeln enthält, ist aber sicher für jeden etwas dabei.

Erklärung der Hotel-Eigentümer

Die Eigentümer der WSF-Gruppe und des ehemaligen Radisson-Hotels sind ein Joint Venture eingegangen, um gemeinsam in Immobilienprojekte in einer Reihe internationaler Metropolen zu investieren. Im Rahmen dieser Partnerschaft stellt die WSF-Gruppe ihr Know-how für die Renovierung der Liegenschaften am Parkring zur Verfügung.

Die derzeit stattfindende Versteigerung betrifft ausschließlich das Inventar und dient dazu, den Weg für die Neugestaltung des Innenbereichs der historischen Gebäude zu ebnen. Da die Planungsarbeiten noch nicht abgeschlossen und wesentliche Projektentscheidungen noch zu treffen sind, steht das künftige Nutzungskonzept der Immobilie noch nicht endgültig fest. (cr/APA, derStandard.at, 24.1.2014)

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