Mac Pro im Test: Ein teures Stück mit radikalem Redesign

Ansichtssache29. Jänner 2014, 09:51
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Sechs Jahre steckte Apples Desktop-Rechner Mac Pro im gleichen Tower-Gehäuse. 2013 kam das radikale Redesign. Anstatt in einer eckigen, silbergrauen Kiste sind die Komponenten nun in einem dunklen Aluminium-Zylinder verstaut. Von Mistkübel über Mixer bis Darth Vaders Helm reichen die Assoziationen zu dem ungewöhnlichen Design. Aber auch unter der Haube hat Apple einiges verändert. Der WebStandard hat einen näheren Blick auf den neuen Mac Pro geworfen.

foto: standard/cremer

Design

Der Mac Pro ist mit 25 cm Höhe und einem Durchmesser von 16,7 cm sehr kompakt. Dass man sich an einen kleinen (Luxus-)Abfalleimer erinnert fühlt, kommt nicht von ungefähr. Steht der Rechner mit den Anschlüssen verdeckt auf einem Schreibtisch oder darunter, ist er auf den ersten Blick auch kaum als Computer zu erkennen.

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Glänzend

Die Aluhülle glänzt in einem dunklen Anthrazitton und wirkt sehr hochwertig und edel. Allerdings muss man sich auf häufigeres Putzen gefasst machen, denn Fingertappen haften dem Mac Pro ähnlich schnell wie einem Smartphone-Touchscreen an. Mit 5 kg ist der neue Apfel schwerer als man vermuten würde. Dennoch bleibt das Gerät insgesamt kompakt genug, um es leicht zwischen Arbeitsplätzen transportieren zu können.

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Slide to unlock

Das Gehäuse lässt sich sehr einfach öffnen, um Komponenten auswechseln zu können. Auf der Rückseite befindet sich neben den Anschlüssen ein Schiebemechanismus, der die äußere Hülle mit dem Kern verriegelt. Geöffnet, lässt sich die Hülle einfach nach oben heben und gibt Zugriff auf die Komponenten frei. Das Team von iFixit hat sich die Innereien noch näher angesehen und festgestellt, dass die meisten Komponenten sehr leicht zu wechseln sind. Apple hat dabei auch auf proprietäre Schrauben verzichtet, die Spezialwerkzeug verlangen.

Beim Schließen sollte man aber darauf achten, dass der Schieber wirklich gut zugeschnappt ist - dass der Mechanismus versehentlich aufgeht, wenn man den Rechner gerade hochhebt und der Kern in vollen Karacho auf Boden (oder Fuß) fällt, sollte tunlichst vermieden werden.

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Leuchtend

Die Anschlüsse sind von einer leuchtenden Leiste umgeben, die das Anstecken eines USB-Kabels oder ähnlichem in dunkeln Umgebungen (z.B. unter dem Schreibtisch) erleichtern. Allerdings muss der Rechner leicht bewegt werden, damit die weiße Beleuchtung aktiviert wird.

Zusammengebaut wird der Mac Pro in den USA. Auch einige Komponenten werden in Fabriken in insgesamt zwölf US-Bundesstaaten hergestellt. 

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Arbeitsspeicher einfach zu wechseln

Der Mac Pro bietet Platz für vier RAM-Speicherriegel, die ebenfalls sehr einfach zu tauschen sind. Die Halterungen lassen sich durch einen Schnappverschluss lösen. Leicht ausgeklappt, können die Speicherelemente leicht herausgenommen werden. Maximal kann man den Rechner mit 64 GB Arbeitsspeicher ausstatten. Mit etwas Geduld können erfahrene Nutzer auch CPU und Lüfter austauschen.

Die der PCIe-basierte Flashspeicher (256/512 GB oder 1 TB) kann laut iFixit zwar auch relativ einfach ausgebaut werden. Allerdings ist kein zusätzlicher Steckplatz vorhanden, um den Speicher intern zu erweitern. Das ist ein Kritikpunkt, denn von Haus aus sind nur 256 GB integriert, was Profinutzern mit großen Videoprojekten etc. zu wenig sein dürfte.

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Anschlüsse

Apple setzt statt der internen Erweiterung auf vier USB-3-Anschlüsse und sechs Thunderbolt-2-Ports, um externe Speichermedien anzuschließen. Die Thunderbolt-2-Anschlüsse bieten einen Durchsatz von bis zu 20 Gbit/s. Diese sind auf der "Rückseite" des Geräts leicht zugänglich verbaut. Hier befinden sich auch noch ein HDMI-Anschluss, zwei Ethernet-Ports, die Stromversorgung und der Power-Button. Buchsen für Audio und Kopfhörer findet man hier ebenfalls.

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Laues Lüftchen

Für die Kühlung der Komponenten sorgt beim Mac Pro ein Thermalkern. Apple beschreibt diesen als ein "Stück extrudiertes Aluminium [..], das so konzipiert ist, dass es den Luftstrom und gleichzeitig die Wärmekapazität maximiert." Von CPU und GPU wird dabei die Wärme abgeleitet und um den Kern einheitlich verteilt. Ein großer Lüfter zieht Luft von Öffnungen auf der Unterseite ab und leitet die warme Abluft nach oben hin aus dem Gehäuse.

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Über dem Mac ist das als "laues Lüftchen" zu spüren. Dabei wird das Gehäuse nur leicht warm und der Rechner läuft im Betrieb sehr leise. Tatsächlich ist er in einem Abstand von einem halben Meter nichts mehr zu hören.

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screenshot: riegler

Performance

Der Mac Pro ist mit dem Intel-Xeon-E5-Prozessor optional mit vier, sechs, acht oder zwölf Kernen ausgestattet. Für die Grafik setzt Apple je nach Ausstattung auf duale AMD-FirePro-Modelle (D300/500/700) mit bis zu 12 GB VRAM-Speicher. Damit können bis zu drei 4K-Displays oder maximal sechs Thunderbolt-Displays genutzt werden.

Im Cinebench-R15-Test kommt das Testgerät (3,5 GHz 6-Kern-CPU, Dual FirePro D500 mit je 3 GB VRAM, 16 GB RAM) auf 79,10 fps im OpenGL-Test und einen Score von 960 beim CPU-Test. Bei den Vergleichssystemen führt der Mac damit bei den Grafikkartentests. Bei den Prozessorentests liegen zwei Systeme davor.

Für das Rendering mehrerer Effekte einer Testsequenz mit drei Videolayern in FullHD-Auflösung mit Premiere Pro CS6 hat der Mac Pro 11:00 Minuten benötigt. Ein Mac Pro von Anfang 2009 (4,1) mit Quad Core Intel Xeon, 16GB RAM und Nvidia GeForce GTX 660 Ti hat mit Premiere Pro CC dafür 10:30 Minuten gebraucht. Das Vergleichsgerät verfügte allerdings über eine CUDA-kompatible Videokarte, die für das Rendering der Effekte zuständig ist. Beim Mac Pro lief das über den Prozessor. Andere Optionen standen für einen Vergleich nicht zur Verfügung.

Das Softwareangebot, das die zwei Grafikprozessoren ausnutzen kann, ist noch überschaubar. Apples Final Cut Pro X ist bereits dafür optimiert und kann so beispielsweise gleichzeitig 16 4K-Videostreams darstellen. 

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Fazit

Der Mac Pro ist eine Hochleistungsmaschine mit einem extravaganten Gehäuse, das für Nutzer, die schnellen Zugriff auf Komponenten benötigen, auch leicht zu öffnen ist. Die Ausstattung macht den Computer aber definitiv nur für Profinutzer interessant, die in Bereichen wie etwa Videoschnitt arbeiten, sowie für Hardcore-Gamer mit großem Budget. Die günstigste Version fängt bei stattlichen 3.000 Euro an. Das Testgerät würde mit 4.000 Euro zu Buche schlagen.

Größtes Manko ist die fehlende Möglichkeit, den internen Speicher zu erweitern. Aufgrund des hohes Aufpreises, den Apple verlangt (plus 300 Euro auf 512 GB bzw. 800 Euro zusätzlich für 1 TB), greifen Nutzer hier besser auf externe Lösungen zurück. Wer sich für das teure Schmuckstück entscheidet, wird allerdings etwas warten müssen. Apple gibt in seinem Online-Shop als Versandtermin derzeit März an. (Birgit Riegler, derStandard.at, 29.1.2014)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testgerät wurde der Redaktion für einen begrenzten Zeitraum von McShark zur Verfügung gestellt.

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