Burma: Berichte über Massaker an Muslimen

24. Jänner 2014, 13:40
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Ärzte ohne Grenzen behandelte Opfer - UNO und USA fordern Regierung auf, Stellung zu beziehen

Rangun/New York - Nach Berichten über ein neues Massaker an Angehörigen der muslimischen Rohingya-Volksgruppe in Burma fordern die Vereinten Nationen Aufklärung. In der nordburmesischen Privinz Rakhine sollen Buddhisten das Dorf Du Char Yar Tan angegriffen und über 40 Angehörige der muslimischen Minderheit, darunter Frauen und Kinder, getötet haben. Zuvor hätten Rohingya einen Polizeioffizier entführt und getötet, meldet Al Jazeera.

"Ich bin tief beunruhigt über Berichte über alarmierende Gewalt und die Tötung zahlreicher Zivilisten sowie eines Polizisten in Maungdaw in der Rakhine-Region in Burma", teilte die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos am Donnerstag mit. "Ich fordere die Regierung zu einer sofortigen unabhängigen Untersuchung der Ereignisse auf."

Auch die US-Botschaft verlangte am Freitag Aufklärung: Man sei "äußerst beunruhigt" über Berichte, dass sich Angehörige der Sicherheitskräfte an den Übergriffen beteiligt hätten.

Schnitt- und Schussverletzungen

Ärzte ohne Grenzen meldete am Freitag, Mitarbeiter der Hilfsorganisation hätten 22 Überlebende des Angriffs auf Du Char Yar Tan behandelt. Die Patienten hätten Schnitt- und Schussverletzungen erlitten. Die Region Rakhine ist für Journalisten schwer zu erreichen, ausländischen Helfern wird regelmäßig der Zugang verweigert.

Regierungssprecher Ye Htut dementierte am Donnerstag die Berichte. Den Behörden lägen lediglich Informationen über den Mord an dem Polizisten vor. Der Beamte warf der UNO vor, mit ihrer Intervention den Konflikt zu verschärfen. Er rief die geflohenen Bewohner auf, in ihr Dorf zurückzukehren. Die Polizei garaniere für ihre Sicherheit.

Am Freitag lenkte die Regeirung dann ein: Man werde internationalen Beobachtern erlauben, die angebliche Stätte des Massakers zu überprüfen: "Sie können Fragen stellen und das Gebiet frei untersuchen."

Die Rohingya-Minderheit wird im buddhistischen Burma verfolgt. Die Regierung verweigert den teils seit Generationen im Land lebenden Muslimen die Staatsbürgerschaft sowie den Zugang zu Gesundheitsversorgung und Schulbildung. Seit 2012 haben buddhistische Mobs vor allem in der Rakhine-Region im Westen des Landes, aber auch andernorts Muslime angegriffen. Mehr als 200 kamen ums Leben. Zehntausende wurden vertrieben. (red/APA, 24.1.2014)

  • Zerstörtes Rohingya-Dorf auf einem Archivbild. Da die Region Rakhine im Westen Burmas schwer zu erreichen ist, gibt es keine aktuellen Fotos
    foto: reuters/soe zeya tun/files

    Zerstörtes Rohingya-Dorf auf einem Archivbild. Da die Region Rakhine im Westen Burmas schwer zu erreichen ist, gibt es keine aktuellen Fotos

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