Wie sich dieser Frosch verraten hat

23. Jänner 2014, 20:01
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Das Balzverhalten der Tungara-Frösche hat einen fatalen Nebeneffekt: Es hilft Fledermäusen dabei, sie zu orten

Panama-Stadt - Nacht für Nacht rufen die in Zentral- und Südamerika beheimateten Tungara-Frösche (Physalemus pustulosus) in ihren Teichen nach Weibchen. Für ihre Balzlaute pumpen sie ihre Schallblasen auf, was Miniwellen erzeugt, die von rivalisierenden Männchen wahrgenommen werden. Die feinen Bewegungen haben aber einen fatalen Nebeneffekt, wie Forscher im Fachmagazin "Science" berichten:

Fransenlippenfledermäuse (Trachops cirrhosus) registrieren die Wellen mit ihrem Echolotsystem und orten so selbst noch Frösche, die bereits einige Sekunden lang still sind. Auf diese Weise erbeuten die Fledermäuse stündlich bis zu zwölf Frösche.

Veränderte Echolotsignale

Wouter Halfwerk vom Smithonian Tropical Research Institute in Panama und seine Mitarbeiter hatten in einem Experiment unter anderem Plastiknachbildungen von Fröschen in ein Wasserbecken gesetzt. Anschließend imitierten sie entweder nur die Balzrufe der Frösche allein oder kombiniert mit den charakteristischen Wasserwellen. Die Reaktion naher Fransenlippenfledermäuse ließ nicht lange auf sich warten. Flog nun eine Fledermaus heran, stellten die Forscher die Signale sofort ein - wie es eben ein Frosch beim Anblick seines Feindes tun würde.

Es zeigte sich, dass die Fledermäuse deutlich häufiger auf die Plastikfrösche losgingen, wenn die Rufe mit Wasserwellen kombiniert waren. Die Forscher vermuten, dass die Fledermäuse die Miniwellen mit Hilfe ihres Echolotsystems wahrnehmen. Denn wie weitere Untersuchungen zeigten, liefert eine wellige Wasseroberfläche andere Echolotsignale als eine glatte. Verbargen die Forscher die Frösche unter einem Blätterdach, griffen die Fledermäuse nicht an, vermutlich weil das Laub die akustischen Schlüsselsignale verzerrte.

Männliche Kommunikation

In vorhergehenden Experimenten hatten die Forscher bereits herausgefunden, dass auch andere Männchen auf die von ihren Artgenossen erzeugten Wasserwellen reagierten. Wenn sich das sendende Männchen in unmittelbarer Nähe befand, hörten die anderen Männchen häufig selber auf zu rufen und leerten teils ihre Schallblasen. Vermutlich bereiteten sie sich darauf vor, zu fliehen oder anzugreifen, berichten die Wissenschafter.

"Der Klang stellt den offensichtlichen Teil der Frosch-Kommunikation dar", erläutert Halfwerk. "Es sind jedoch die durch die Rufe erzeugten Wasserwellen, die das Verhalten konkurrierender Männchen änderen." Und davon profitieren auch die Fledermäuse. (APA/red, derStandard.at, 23.1.2014)

  • Tungara-Frösche pumpen zum Balzen ihre Schallblasen auf und erzeugen dadurch Miniwellen.
    foto: ryan taylor

    Tungara-Frösche pumpen zum Balzen ihre Schallblasen auf und erzeugen dadurch Miniwellen.

  • Sehr zum Wohle der Fransenlippenfledermaus.
    foto: christian ziegler

    Sehr zum Wohle der Fransenlippenfledermaus.

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