Kasache will ein Millenniumsproblem gelöst haben

23. Jänner 2014, 18:54
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Muchtarbai Otelbajew behauptet, eine Lösung für die Navier-Stokes-Gleichungen zu haben - Die Überprüfung wird dauern

London - Im Jahr 2000 veröffentlichte das US-amerikanische Clay Mathematics Institute eine Liste mit sieben mathematischen Problemen, die zum Teil uralt sind, aber noch einer Lösung harren. Die Bekanntgabe dieser Millenniumsprobleme stand in einer guten Tradition: 100 Jahre zuvor hatte der Mathematiker David Hilbert eine noch etwas längere Liste erstellt, die dem Fortschritt der Mathematik im Laufe des 20. Jahrhunderts gute Dienste erwies.

Als zusätzliche Motivation lobte das Institut noch eine Million US-Dollar Preisgeld pro gelöstes Problem aus. 14 Jahre später ist noch kein Cent verbraucht, obwohl ein Beweis - jener der Poincaré-Vermutung - bereits im Jahr 2002 vom russischen Mathematiker Grigori Perelman erbracht wurde. Doch Perelman verzichtete sowohl auf das Preisgeld als auch auf die Fields-Medaille, eine Art Mathe-Nobelpreis.

Mehr als zehn Jahre später könnte ein weiteres Problem gelöst sein: das der Navier-Stokes-Gleichungen. Das behauptet zumindest der kasachische Mathematiker Muchtarbai Otelbajew, der im Mathematical Journal auf Russisch einen 100-seitigen Artikel unter dem Titel Existenz einer starken Lösung von Navier-Stokes veröffentlichte.

Anders als die meisten anderen Millenniumsprobleme sind Navier-Stokes-Gleichungen praktischer Natur. Sie beschreiben Bewegung von Flüssigkeiten und Gasen. Eine allgemeine Lösung ist aufgrund von Turbulenzen und Viskositäten besonders anspruchsvoll. Nun rätselt die Fachwelt, ob Otelbajew der Coup gelungen sein könnte.

Der Kasache leitet immerhin das Mathematische Institut der Eurasischen Universität in Astana und war mehrmals kasachischer Wissenschafter des Jahres. Wie er dem britischen Wissenschaftsjournal "New Scientist" auf Russisch mitteilte, beschäftige er sich seit 30 Jahren mit Navier-Stokes.

Die internationale Kollegenschaft scheint Otelbajew ernst zu nehmen: Zurzeit wird der Text von einer Gruppe um den MIT-Forscher Misha Wolfson ins Englische übersetzt. Der US-Mathematiker Stephen Montgomery-Smith arbeitet sich mit russischen Kollegen gerade durch das Original, schreibt der "New Scientist" und zitiert Montgomery-Smith mit den Worten: "Was ich bis jetzt gelesen habe, scheint korrekt. Aber ich glaube nicht, dass ich bereits im Kern des Beweises angelangt bin."

Es wird also noch etwas dauern, bis klar ist, ob Otelbajews Beweis hält, was er verspricht. (tasch, DER STANDARD, 24.1.2014)

  • Nach eigenen Angaben beschäftigt sich Otelbajew seit 30 Jahren mit Navier-Stokes.
    foto: otelbaev.com

    Nach eigenen Angaben beschäftigt sich Otelbajew seit 30 Jahren mit Navier-Stokes.

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