Grüner Tee beeinflusst Medikamentenwirkung

23. Jänner 2014, 17:27
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Die Katechine im Tee schwächen die Wirkung des Blutdrucksenkers und Migränemittels Nadolol stark ab - auch andere Wirkstoffe könnten gehemmt werden

Grünem Tee werden vielfältige gesundheitsfördernde, ja sogar heilende Effekte nachgesagt. Das Getränk kann aber auch die Wirkung bestimmter Medikamente abschwächen. Dies haben jetzt Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in Zusammenarbeit mit Forschern der japanischen Universität Fukushima nachgewiesen.

Hemmt Wirkung

Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass bestimmte Inhaltsstoffe des Tees verhindern, dass der Betablocker Nadolol vom Körper aufgenommen wird und seine Wirkung entfalten kann. Nadolol wird zur Behandlung von Bluthochdruck, Angina pectoris und Migräne verschrieben. In heimischen Apotheken ist das Medikament jedoch nicht erhältlich. "Wir können nicht ausschließen, dass grüner Tee auch die Aufnahme anderer Medikamente hemmt. Dies muss in weiteren Studien untersucht werden", sagt Fabian Müller, Pharmakologe an der FAU. Er empfiehlt, bei Einnahme von Nadolol auf den Konsum grünen Tees zu verzichten, da eine verminderte Wirkung zu erwarten sei.

Für die aktuelle Untersuchung tranken Testpersonen zunächst zwei Wochen lang täglich etwa vier Tassen grünen Tee. Anschließend nahmen sie einmalig eine 30-Milligramm-Tablette Nadolol zusammen mit grünem Tee ein. In den zwei folgenden Tagen prüften die Forscher die Konzentration des Wirkstoffs im Blutplasma und kontrollierten außerdem den Blutdruck der Freiwilligen. In einer zweiten Testreihe wurde der grüne Tee dann durch Wasser ersetzt. Das erstaunliche Ergebnis: Nach dem Grünteegenuss lag der Nadololspiegel im Blut der Testpersonen rund 85 Prozent unter dem Vergleichswert. Folglich war auch die blutdrucksenkende Wirkung von Nadolol bei den Probanden in der Grüntee-Testreihe deutlich vermindert. 

Für dieses Ergebnis machen die Experten die so genannten Katechine im grünen Tee verantwortlich. In Laboruntersuchungen konnten die FAU-Forscher nachweisen, dass diese Stoffe ein Protein in der Darmschleimhaut beeinflussen, das der Wissenschaft bereits als Arzneistofftransporter bekannt ist: Das Protein mit dem Namen OATP1A2 unterstützt Medikamente beim Übergang vom Darm ins Blut. Kommen allerdings Katechine ins Spiel, wird dieses Protein blockiert und kann keine beziehungsweise nur wenige Wirkstoffanteile in den Blutkreislauf befördern. Ihre Forschungsergebnisse haben die Wissenschaftler jetzt in der Online-Ausgabe des renommierten Fachmagazins "Clinical Pharmacology & Therapeutics" veröffentlicht. (red, derStandard.at, 23.1.2014)

Originalpublikation:

Green tea ingestion greatly reduces plasma concentrations of nadolol in healthy subjects. Misaka S, Yatabe J, Müller F, Takano K, Kawabe K, Glaeser H, Yatabe M, Onoue S, Werba J, Watanabe H, Yamada S, Fromm M, Kimura J. doi: 10.1038/clpt.2013.241. 

  • Grüner Tee kann die Wirkung bestimmter Medikamente abschwächen.
    foto: everett kennedy brown/epa

    Grüner Tee kann die Wirkung bestimmter Medikamente abschwächen.

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