RTL-Dschungelcamp arbeitet mit "archaischem Erfolgsprinzip"

23. Jänner 2014, 14:58
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Peter Vitouch über Larissa Marolt: "Dass es gespielt ist, davon bin ich zu nahezu 100 Prozent überzeugt" - Trash-Format lebt derzeit "von der Aufmerksamkeit des Feuilletons"

Wien - Das RTL-Dschungelcamp liegt weiter auf Erfolgskurs. In Deutschland waren bei der Mittwoch-Ausgabe von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" 8,37 Millionen Seher dabei. Das bedeutet Staffelrekord. In Österreich schauten am Mittwoch 382.000 Menschen zu.

Gelungene PR

"Es ist dem Sender gut gelungen, die Skandalisierung wieder anzuheizen. Schon alleine dass wir darüber sprechen, ist ein Zeichen für die gelungene PR", sagt Medienwissenschaftler Peter Vitouch im APA-Gespräch. "Mittlerweile ist es so, dass auch einige intellektuelle Kritiker geneigt sind, dieses Programm akzeptabel und ganz witzig zu finden. Auch die Nominierung für den Grimme-Preis ist ja keine Kleinigkeit. Das führt letztlich dazu, dass Leute, die es bisher nicht gesehen haben, einschalten. Sie wollen wissen, worüber in der Öffentlichkeit gesprochen wird."

Dass sich auch das Feuilleton des Formats annimmt, liegt laut Vitouch an der Versuchung, die Dinge gegen den Strich zu bürsten, um Aufmerksamkeit zu erregen. "Wenn das Feuilleton dagegen wettern würde, wäre das normal. Aber wenn sich diese Leute darüber Gedanken machen und es gesellschaftspolitisch spannend finden, ist das interessant für das Selbstverständnis des Feuilletons und letztlich auch der Leser." 

"Archaisches Erfolgsprinzip"

Es werde mit "archaischem Erfolgsprinzip" gearbeitet, nämlich Schadenfreude zu erwecken und anderen Leuten bei Ekelreaktionen zuzuschauen. "Es ist etwas, das uns aus der Entfernung amüsiert, weil wir nicht dabei sein müssen. Dass es B- oder C-Promis sind, die das tun, um aus einem beruflichen Tief herauszukommen, ist Teil der Dramaturgie", sagt Vitouch.

Zur Rolle von Larissa Marolt sagt er: "Für die Macher ist es gut, wenn die Kandidaten Profil zeigen. Es wäre ja uninteressant, wenn sie in der Gruppe geduldig vor sich hinleiden und es keine Differenzierungen gäbe. Marolt macht das wiederum ganz geschickt, es scheint auch das Schauspieltraining einiges bewirkt zu haben. Sie sticht heraus, weil sie sich durchaus kontroversiell gibt. Und dass es gespielt ist, davon bin ich zu nahezu 100 Prozent überzeugt."

Teilnahme rechnet sich

Die Teilnahme am Dschungecamp würde sich für die Kandidaten freilich rechnen, "wenn man diese Auftritte in PR-Münze umrechnen würde, dann haben sie ganz schöne Aufmerksamkeitszeiten und werden noch dazu dafür bezahlt." Wobei es auch um die Idee gehe, den Fuß in die Tür zu bekommen und in weiterer Folge damit zu arbeiten.

Befragt zum stilisierten Duell Deutschland gegen Österreich sagt Vitouch: "Sie werden von RTL sicher gezielt so eingesetzt, schließlich will man das Österreich-Werbefenster durch möglichst viele österreichische Zuschauer attraktiver machen. Und das funktioniert am ehesten, wenn Österreicher dabei sind."

Es sei klar, dass das RTL-Dschungelcamp kein Format für einen öffentlich-rechtlichen Sender ist. "Es ist im Grunde geschmacklos und wirkt sich nicht wirklich positiv auf die Psychohygiene aus. Darum gibt es entsprechende Gesetze, die so etwas den öffentlich-rechtlichen Sender verbieten." Vitouch ist "explizit gegen generelle Verbote von solchen Formaten. Man müsse keine Zensurstellen einrichten, das würde wesentliche demokratische Grundprinzipien verletzten. "Es wäre erheblich besser, man würde in demokratischer Weise dagegen stimmen, und zwar in dem man es sich nicht anschaut", sagt er. (APA, 23.1.2014)

  • Vitouch über Larissa Marolt: "Und dass es gespielt ist, davon bin ich zu nahezu 100 Prozent überzeugt."
    foto: rtl

    Vitouch über Larissa Marolt: "Und dass es gespielt ist, davon bin ich zu nahezu 100 Prozent überzeugt."

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