Pilze halten die pflanzliche Artenvielfalt hoch

26. Jänner 2014, 17:59
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Forscher untersuchten Auswirkungen von Fungiziden auf Regenwälder - Ergebnis: Pilze sind besser als ihr Ruf

Zürich - In der Land- und Forstwirtschaft mögen Pilze vor allem den Ruf von Krankheitserregern und Parasiten haben. Tatsächlich scheinen sie für Wälder aber auch eine - wenngleich indirekte - positive Rolle auszuüben: Sie können die pflanzliche Artenvielfalt erhöhen, wie die ETH Zürich berichtet.

Ein Forscherteam um Owen Lewis von der Universität Oxford und Robert Bagchi, der die Studie in Oxford begann und an der ETH Zürich zu Ende führte, untersuchte ein tropisches Regenwald-Biotop, das mit bis zu 300 Pflanzenarten pro Hektar zu den artenreichsten gehört. Auf Testarealen im Chiquibul Forest Reserve im mittelamerikanischen Staat Belize besprühten sie einen Teil der Fläche mit Wasser, einen anderen mit einem Insektizid oder einem von zwei unterschiedlichen Fungiziden. 

Weniger Pilze, weniger Pflanzenarten

Das Ergebnis: Das Insektizid veränderte zwar die Zusammensetzung der Pflanzengemeinschaft, aber nicht die Anzahl der im Testareal vertretenen Arten. Wenn man hingegen den Pilzen mit Gift zu Leibe rückte, reduzierte sich die Pflanzenvielfalt im Laufe der Zeit deutlich. Diese Ergebnisse entsprechen einer Hypothese, die vor über 40 Jahren von den Ökologen Daniel Janzen und Joseph Connell aufgestellt worden war, bislang aber einer umfassenden experimentellen Bestätigung harrte. Kurz zusammengefasst: Krankheitserreger halten sich rasch vermehrende Pflanzen in Regenwäldern im Zaum und verhindern, dass sie alle anderen Pflanzen verdrängen.

Denn das ist die Kehrseite des Vermehrungserfolgs: Pflanzenpathogene wie Pilze verbreiten sich leichter unter "Individuen" der gleichen Pfanzenart, die nahe beieinander wachsen, und führen so zu dichteabhängiger Sterblichkeit. Indem sie die Anzahl der Pflanzen einer dominanten Art begrenzen, sorgen Pilze für Chancengleichheit in der Pflanzengemeinschaft.

Der Versuch in Belize scheint die Hypothese von Janzen und Connell also zu bestätigen. Bagchi räumt aber ein, dass es sich dabei nur um die Untersuchung eines bestimmten Regenwalds mit spezifischen Bedingungen handelt - unter anderem einer ausgeprägten Trockenperiode, welche die Verbreitung von Pilzen hemmt. Ob der Effekt in Regenwäldern mit anderem Klima derselbe ist, müsste in weiteren Untersuchungen herausgefunden werden. (red, derStandard.at, 26. 1. 2014)

 

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