Freie Partnerwahl der Mutter macht Mäusejunge stärker gegen Infektionen

23. Jänner 2014, 13:17
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Wiener Forscher fanden heraus, dass sich Wunschpartnerschaften bei Hausmäusen positiv auf die Widerstandsfähigkeit der Nachkommen auswirken

Wien - Können weibliche Mäuse wählen, von welchem Partner sie Junge bekommen, ist ihr Nachwuchs widerstandsfähiger. Wiener Forscher fanden erstmals heraus, dass Mäusejunge von Wunschpartnern der Mütter bessere Chancen haben, Infektionen zu überleben als solche von Männchen, die die Mütter nicht als Partner bevorzugt hatten, berichten sie im Fachjournal "BMC Evolutionary Biology".

Dass weibliche Hausmäuse (Mus musculus musculus) zur Fortpflanzung gesunde, starke und widerstandsfähige Partner bevorzugen, ist schon seit langem bekannt. Wissenschafter der Veterinärmedizinischen Universität Wien überprüften nun erstmals, ob der Nachwuchs vom Wunschpartner auch tatsächlich einen nachweisbaren Überlebensvorteil hat. Dass dem so sein könnte, sei in der Wissenschaft zwar schon oft angedacht worden, "aber niemand hat das bisher experimentell untersucht", so Dustin Penn vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni Wien.

Bessere Chancen bei Salmonelleninfektion

Anhand welcher Kriterien sich die weiblichen Mäuse orientieren, ist laut Penn nicht im Detail geklärt. Die Wiener Forschungsgruppe hat aber bereits in früheren Studien einiges über das Fortpflanzungsverhalten der Tiere herausgefunden: So scheint es etwa, dass Männchen, die über ein Territorium verfügen und dessen Grenzen mit Urin markieren, höher im Kurs stehen. Das könnte an Duftstoffen im Urin und in anderen Körpersekreten liegen, aus denen Weibchen Informationen über die Gesundheit der Männchen herauslesen. Ebenso könnten die für Menschen nicht hörbaren Ultraschall-Gesänge der Männchen zu deren Attraktivität beitragen.

Unabhängig von den Faktoren, die den Weibchen bei der Partnerwahl helfen, untersuchten die Forscher nun die Auswirkungen auf den Nachwuchs: Sie ließen weibliche Hausmäuse zuerst einen Partner frei wählen. Anschließend wurden sie entweder mit dem gewählten oder mit einem nicht gewählten Männchen verpaart. Das Ergebnis: Konnten sich Weibchen mit den bevorzugten Männchen paaren, zeugten sie nicht nur durchschnittlich mehr Nachkommen. Dieser Nachwuchs überlebte eine Salmonelleninfektion auch deutlich häufiger.

Erhöhte Immuntoleranz

Erstaunlicherweise war jedoch die Keimbelastung bei allen Tieren in etwa gleich hoch, also unabhängig vom Partner der Mutter. Daraus schließen die Wissenschafter, dass die Fitness der Nachkommen eher mit der Immuntoleranz, also der Fähigkeit mit einer Infektionen umzugehen, zu tun hat, als mit der Immunresistenz - also der Fähigkeit, Krankheitserreger zu bekämpfen. Penn und seine Kollegen fanden in früheren Studien bereits heraus, dass die Resistenz gegenüber einer Salmonelleninfektion von verschiedenen Genen kontrolliert und somit auch vererbt wird.

Die Biologin Shirley Raveh erklärt: "Wir dachten, dass die freie Wahl des Partners den Nachkommen ein stärkeres Immunsystem verschafft. Dass es aber eher die Fähigkeit ist, mit Infektionen umzugehen, war eine Überraschung. Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse wieder neues Licht auf dieses Forschungsfeld lenkt und das Gebiet der parasitenbedingten sexuellen Selektion vorantreibt."

Zuwendung als Ursache?

Nun wollen die Wissenschafter herausfinden, worin dieser Effekt begründet sein könnte. "Wir können nämlich nicht sagen, ob dieser Vorteil genetisch verursacht ist oder ob sich Mütter intensiver um ihren Nachwuchs kümmern - wofür wir zwar noch keine Hinweise gefunden haben, was wir aber auch nicht ausschließen können. Wir haben also noch jede Menge Arbeit", so Penn.(APA/red, derStandard.at, 23.1.2014)

  • Ob durch Gene oder Zuwendung bedingt: Die Wahl des Sexualpartners ist für die Nachkommen entscheidend.
    foto: kerstin thonhauser/vetmeduni vienna

    Ob durch Gene oder Zuwendung bedingt: Die Wahl des Sexualpartners ist für die Nachkommen entscheidend.

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