BayernLB will Einsicht in Kulterer-Geständnis

23. Jänner 2014, 11:29
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Das siebenseitige Geständnis mutet an wie eine Lebensbeichte, schriftlich sei es erfolgt, weil ihn "der Mut verlassen" hatte

Wien/Klagenfurt/München - Die BayernLB will Akteneinsicht in das Geständnis des ehemaligen Chefs der Problembank Hypo Alpe Adria, Wolfgang Kulterer, beantragen, das dieser vor wenigen Tagen schriftlich leistete. Das sagte ein Sprecher der BayernLB am Donnerstag am Rande eines Zivilprozesses in der Hypo-Causa am Handelsgericht Wien. Die BayernLB fordert vor dem Handelsgericht Wien Schadenersatz für den Kauf der Kärntner Hypo.

Was das siebenseitige Geständnis betrifft, das Kulterer am Montag dem Gericht übermittelt hat (und das der Austria Presseagentur vorliegt), so liest sich selbiges wie eine Lebensbeichte. Kulterer bleibt dabei, stets das Wohl der Bank im Auge gehabt zu haben und gibt zu, dabei zu weit gegangen zu sein. Der Grund sei gewesen, dass er versucht habe, nach der Swap-Affäre "das Ruder wieder herumzureißen. Leider war alles vergeblich."

Kulterer schreibt, es wäre für ihn "ein Leichtes und auch besser gewesen, die Bank ihrem Schicksal zu überlassen und nach der SWAP-Affaire (sic!) zu gehen. Zum damaligen Zeitpunkt konnte ich das nicht, da ich mich den Mitarbeitern und Aktionären verpflichtet fühlte." Enttäuschung über seine Mitstreiter ist in dem Schreiben ebenfalls zu finden: "Ich habe den falschen Leuten vertraut und wurde von vielen - auch engsten Mitarbeitern - hintergangen, weil jeder nur auf sich selbst und nicht auf die Bank schaute."

Vom Mut verlassen

Dass er seine Beichte nicht im Gerichtssaal, sondern handschriftlich abgelegt hat, begründet Kulterer damit, dass er wohl die Absicht gehabt hätte, dies im Gerichtssaal zu tun, doch habe ihn dabei "der Mut verlassen". "Ich habe es in der Öffentlichkeit nicht über die Lippen gebracht, mein Fehlverhalten einzugestehen und zuzugeben, dass ich entscheidende Fehler gemacht habe und mich auch schuldig fühle."

Natürlich sei ihm bewusst gewesen, dass die Verschweigung der Put-Optionen bei den Vorzugsaktien und deren Bekanntwerden ein Problem sein und diese eigenmittelschädlich sein könnten. Aber es sei am internationalen Markt nicht möglich gewesen, "Eigenmittel zu vernünftigen Konditionen zu besorgen, weil wir den SWAP Skandal am Hals hatten". Daher sei es auch zu der Variante mit den Put-Optionen gekommen. Kulterer weiter: "Die Geheimhaltung, die Kircher (geständiger Ex-Vorstand Josef Kircher, Anm.) natürlich aufgrund unserer Gespräche bekannt war, wurde dann nach meinem Ausscheiden als Vorstand zum Selbstläufer." Ob Kircher, wie dieser ausgesagt hatte, den anderen Vorständen über die Optionen kommuniziert habe, "weiß ich aus eigener Wahrnehmung nicht".

Es sei ihm damals aber auch völlig klar gewesen, "dass das Kapital nicht auf Dauer, unbefristet, der Bank frei verfügbar war und damit echte Probleme entstehen könnten. Um die Bank zu stabilisieren bzw. zu retten, habe ich aber dieses Risiko in Kauf genommen." Ob nun tatsächlich eine Eigenmittelschädlichkeit vorliegt, werde im Gerichtsverfahren "wohl auf Expertenebene" geklärt werden.

Erleichtert und befreit

Kulterer weiter: "Ich habe mir die obigen Zeilen gewissenhaft und lange überlegt und bin erleichtert und befreit. Ich habe dieses Geständnis freiwillig und ohne meine Verteidiger zu informieren, abgegeben." Kulterer kündigte in dem Schreiben auch an, er werde "das Mandatsverhältnis mit der Kanzlei Böhmdorfer morgen (also am Dienstag, Anm.) auflösen und ihn über meine weitere Vorgangsweise informieren." "Am liebsten würde ich meine Verteidigung selbst übernehmen, was aber leider nicht möglich ist."

Abschließend ersuchte der Ex-Bankchef Richter Christian Liebhauser-Karl noch, ihm die Fortsetzung seiner Therapie aufgrund seiner Schulterverletzung zu ermöglichen, damit er nicht während seiner Haftstrafe zum Invaliden werde. Gezeichnet ist das Schreiben mit "Hochachtungsvoll, Wolfgang Kulterer". (APA, 23.1.2014)

  • Wolfgang Kulterer hat sein Gewissen erleichtert - auf sieben Seiten.
    foto: ap/punz

    Wolfgang Kulterer hat sein Gewissen erleichtert - auf sieben Seiten.

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