"NZZ": Expansion nach Österreich, Deutschland "logischer Schritt"

23. Jänner 2014, 07:16
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Neue-Zürcher-Konzernboss Dengler: "Fleischhacker ist ein profilierter Journalist" - Übernahmen "möglich"

Veit Dengler, Steirer an der Spitze des Medienkonzerns um die "Neue Zürcher Zeitung", bestätigt digitale Expansionspläne der NZZ nach Österreich und Deutschland: "Wirtschaftlich ist dies ein völlig logischer Schritt", sagt er dem Medienportal persoenlich.com. Kontakt mit Michael Fleischhacker als möglicher Chef für einen Österreich-Ableger im Web kommentiert er ausweichend - derStandard.at/Etat berichtete von diesen Personalspekulationen.

Dengler erklärt in dem Interview: "Wir haben viele Journalisten, die eine hervorragende publizistische Arbeit machen. Dies kostet aber auch. Wenn wir nun mit unseren Produkten nicht nur die rund fünf Millionen Leser des Schweizer Marktes anpeilen, sondern auch diejenigen in Deutschland und Österreich, können wir mit unserer Publizistik grössere Erlöse generieren. Wirtschaftlich ist dies ein völlig logischer Schritt. Wir prüfen darum derzeit, ob ein solcher Schritt für uns grundsätzlich in Frage kommt und welche Inhalte wir den Leserinnen und Lesern im Ausland anbieten könnten."

Übernahmen "möglich"

Der Branchendienst fragt zudem: Wird die NZZ bestehende Titel übernehmen oder eigene Redaktionen aufbauen, z.B. in Wien oder Hamburg? Dengler: "Beides ist möglich, für solche Überlegungen ist es aber noch zu früh. Sie sehen: Wir haben viele Fragen zu klären."

Persönlich fragt auch nach der Besetzung in Österreich: "Sie sind in Kontakt mit Ex-"Presse"-Chefredakteur Michael Fleischhacker, wie derStandard.at schreibt. Stimmt das?" Der NZZ-Chef: "Michael Fleischhacker ist ein profilierter österreichischer Journalist. Ich kenne ihn aus der Zeit, als ich für Neos Wahlkampf gemacht habe."

"Wir stärken die Publizistik"

Veit Dengler hat eine klare Vorstellung von der künftigen Ausrichtung der NZZ-Mediengruppe: "Wir stärken die Publizistik." Gelingen soll dies auch mit einer Digital-Offensive, sagt er inzwischen in eine APA-Interview. Jüngst hatte der Verwaltungsrat der NZZ-Gruppe, dessen Flaggschiff die "Neue Zürcher Zeitung" ist, acht Mio. Euro für den Ausbau des digitalen Angebots bewilligt. Damit sollen etwa "publizistische Produktverantwortliche" geschaffen werden, die mit eigenen Teams jeweils für das Print- bzw. Online- und Mobilprodukt zuständig sind. Die zusammengeführte Arbeitsweise der Ressorts werde aber beibehalten, sagt er, "die Konvergenz war ein richtiger Schritt."

Allfällige Investitionen wolle man jedenfalls im publizistiknahen Umfeld tätigen. "Für uns macht diese Konzentration auf des Kerngeschäft Publizistik Sinn", unterstrich Dengler, der dort neue Umsatzmöglichkeiten erschließen will. Ein angesichts einbrechender Werbeumsätze am Printsektor konsequenter Schritt: Diese sind zuletzt im ersten Halbjahr 2013 um 10 Prozent zurückgegangen. "Wir sehen nicht, dass sich dieser Markttrend ändert", resümierte Dengler, der für das Gesamtjahr 2013 allerdings noch keine Umsatz- und Gewinnzahlen vorliegen hat.

Paid Content, Kundenorientierung

Zu Paid Content sagt er: "Wir haben die letzten 20 Jahre lang unsere Inhalte verschenkt. Nun stehen wir vor einem sehr schwierigen Übergang, weil wir Qualitätspublizistik auf Dauer nur betreiben können, wenn dafür bezahlt wird." Dem Kunden müsse man etwas bieten, wofür dieser bereit ist, Geld auszugeben. "Das ist die wirkliche Nagelprobe für neue Produkte." Entsprechend sei mehr Kundenorientierung notwendig. "Wir müssen in der Lage sein, überall da, wo unsere Kunden sind bzw. in welcher Form sie uns lesen wollen, etwas anzubieten."

Dies erfordere verschiedene, kundenspezifische Angebote. Die "NZZ" verfügt über eine Paywall, bei der pro Monat zunächst zehn Artikel gratis und bei Registrierung weitere zehn Artikel gratis zu lesen sind. "Das war ein erster, notwendiger Schritt. Wir müssen die Paywall flexibilisieren, um ein breiteres, stärker personifiziertes Produktspektrum anbieten zu können." Die Herausforderung sei, sowohl im Marketing als auch bei der Produktentwicklung "agiler" zu werden. "Wir müssen mehr verschiedene Produkte für verschiedene Arten von Kunden anbieten." (red, derStandard.at, 23.1.2014/APA)

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