ADAC will Gelben Engel einstampfen

23. Jänner 2014, 14:48
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Die Zahlenkosmetik wird aller Voraussicht nach Folgen haben, der Autopreis Gelber Engel wird vermutlich nicht mehr verliehen

München - Die Zahlen für den Autopreis Gelber Engel des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) wurden bekanntlich seit Jahren manipuliert. Zumindest die Teilnehmerzahlen der Umfrage zum Lieblingsauto der Deutschen wurden kräftig nach oben korrigiert. Die Rangfolge der beliebtesten Autos sei aber nicht verändert worden, hatte es immerhin geheißen.

Wegen der Affäre trennte sich der Club mittlerweile von Kommunikationschef und "Motorwelt"-Chefredakteur Michael Ramstetter. Das Auffliegen der Behübscherei: für den ADAC ein Totalschaden, der Gelbe Engel ist damit wohl nichts mehr wert.

Folgerichtig zieht der Automobilclub in Betracht, die Auszeichnung, die so recht keine mehr sein kann, überhaupt einzustampfen. "Hat der Gelbe Engel noch eine Zukunft? Sicherlich nein, er hat keine Zukunft. Das war ein Totalschaden", zitierte die Branchenzeitung "Automobilwoche" ADAC-Präsident Peter Meyer. Der ADAC bestätigte die Aussage, will allerdings noch zu keiner endgültigen Entscheidung gekommen sein: "Die Entscheidung, ob und in welcher Form die Preisverleihung Gelber Engel in Zukunft stattfindet, wird zu einem späteren Zeitpunkt getroffen."

Justiz prüft Vereins-Status

Der ADAC muss nun auch um seinen Vereinsstatus bangen. Das Registergericht beim Amtsgericht München überprüft derzeit den Status des Autofahrerclubs. Das Gericht sei in den vergangenen Tagen auf einen Antrag hin und nicht von sich aus tätig geworden, sagte die Gerichtssprecherin. Der Ausgang sei völlig offen. Zuerst hatte die "Märkische Allgemeine" (Freitag) über die Prüfung berichtet.

Über Einzelheiten wollte die Sprecherin nichts sagen. In einem solchen Verfahren wird etwa geprüft, ob die wirtschaftlichen Aktivitäten eines Vereins noch mit dem Vereinsrecht im Einklang stehen. Mit einer Entscheidung rechnet die Sprecherin in spätestens einem Monat. Der ADAC wurde von der Entwicklung überrascht. "Wir können hierzu keine weiteren Auskünfte geben, da uns die behauptete Prüfung des Registergerichts nicht bekannt ist", sagte ein Sprecher.

"Der ADAC ist dem Gericht seit vielen Jahrzehnten bekannt", fügte der Sprecher hinzu. "Wir haben auch immer wieder Kontakt und Änderungen im Register. Es gab jedoch noch nie Beanstandungen in dieser Richtung." Gegen Entscheidungen des Registergerichts sind nach Angaben der Sprecherin später Rechtsmittel möglich. (APA/red, derStandard.at, 23.1.2014)

  • Es war einmal ein Autopreis...
 
    foto: apa/ebener

    Es war einmal ein Autopreis...

     

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