40 Milliarden Euro wegen zwei Olympia-Wochen

23. Jänner 2014, 10:59
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Kritische Stimmen zu Investitionen: Korruption, Umweltdesaster, volle Überwachung

Sotschi/Wien - Alteingesessene Bewohner erkennen Sotschi kaum wieder: Mehr als 40 Milliarden Euro - inklusive Infrastruktur und Bauprojekten - lässt sich die Stadt die Olympischen Spiele (7. bis 23. Februar) kosten. Die immensen Kosten führen Kritiker auch auf Korruption zurück. So soll Arkadi Rotenberg, ein ehemaliger Judopartner von Russlands Präsident Wladimir Putin, Bauaufträge um 5,7 Milliarden Euro erhalten haben. Das ist in etwa die Summe, die die Winterspiele 2010 in Vancouver exklusive Ausgaben für die Sicherheit (700 Millionen Euro) gekostet haben.

In Kanada waren 16.500 Polizisten und Spezialkräfte um die Sicherheit der Athleten und Fans bemüht. Nach jüngsten Terrordrohungen und den Anschlägen in Wolgograd Ende Dezember mit mehr als 30 Toten sollen in Sotschi 60.000 Sicherheitskräfte im Einsatz sein. 

Überwachung und Zwangsumsiedlungen

5500 Kameras sowie Abhöraktionen von Handys, E-Mails und anderen Kontaktaustauschmöglichkeiten sorgen für eine bisher nie da gewesene Überwachung. Menschenrechtsaktivisten kritisieren, dass die Geheimdienste praktisch unbegrenzte Vollmachten hätten. Für Olympiaprojekte sollen auch Bürger zwangsumgesiedelt und Gastarbeiter aus angrenzenden Ländern wie Georgien ausgebeutet worden sein.

Umweltschützer verwiesen auf die neue Auto- und Bahnverbindung zwischen Sotschi und dem Gebirgsdorf Krasnaja Poljana im Kaukasus, wo unter anderem die Skibewerbe stattfinden werden. Der Fluss Msymta sei rücksichtslos begradigt, die Fischbestände stark geschädigt worden.

Für die 50 Kilometer lange Verkehrsverbindung war der Bau zahlreicher Tunnel und Brücken nötig. Allein die Bahnstrecke verschlang 6,5 Milliarden Euro. Durch die Bauarbeiten an den Bergen sollen viele Schwermetalle in den Fluss geraten sein, der als Trinkwasserreservoir von Sotschi gilt. (krud, DER STANDARD, 23.1.2014)

  • Die Gegensätze in Sotschi: Im Vordergrund ein privates Haus, dahinter glänzt der neu errichtete Olympic Park. 
    foto: reuters

    Die Gegensätze in Sotschi: Im Vordergrund ein privates Haus, dahinter glänzt der neu errichtete Olympic Park. 

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