Mit Cowboystiefeln durch die schöne blaue Donau

22. Jänner 2014, 17:49
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"Wiener. Wald. Fiction": Das bernhard ensemble vermählt Ödön von Horváth mit Quentin Tarantino

Wien - Mitunter kann man Theaterbesucher ruhig etwas härter anfassen. Wer Wiener. Wald. Fiction besucht, die aktuelle Produktion des Wiener bernhard ensembles, bekommt etwas zu hören. Wer den Saal des Off-Theaters in Wien-Neubau betritt, muss durch eine hohle Gasse.

Schauspieler stehen in Glasvitrinen Spalier. Das verschafft ihnen Gelegenheit, Unflat auf den vorüberziehenden Gästen abzuladen: "Sag mal, puderst du nicht gern?" Man erhält kaum Gelegenheit, die Frage im Stillen für sich zu klären. Das Stück selbst nimmt nämlich sofort Fahrt auf.

Zoologisch, das heißt gattungstechnisch, ist es die Frucht einer unmöglichen Beziehung. Das Geschöpf gleicht einem gemeinsamen Kind Ödön von Horváths mit Quentin Tarantino. Irgendwie scheint auch Oliver Stones Natural Born Killers enthalten, aber dafür möchte man die Hand nicht ins Feuer legen. Ein Gothic-Girl in Stiefeln (Albane Troehler) gibt die Marianne. Eigentlich müsste sie in der Josefstadt gleich über einer Puppenklinik wohnen, dort also, wo ihr Vater, der verwitwete Herr Zauberkönig, seine Sockenhalter nicht finden kann.

In Wiener. Wald. Fiction sind die Horváth-Anteile genmutiert. Der Zauber- hat sich in einen Sonnenkönig verwandelt (Ernst Kurt Weigel), der über ein Reich aus lauter Bräunungsbänken gebietet. Auftragskiller sind hier in der Thaliastraße zugange. Ein besonders unbedarfter namens Vincent trägt einen unmöglichen Trainingsanzug und hat in Las Vegas während eines Auslandssemesters offenbar einen Kurs in Cowboystiefel-Tragen belegt gehabt.

Aus lauter Witzchen bastelt das bernhard ensemble (Regie: Weigel/Grischka Voss) einen tadellosen Schwank. Man muss nicht gerade Tränen lachen, kann sich aber mit Doris Schretzmayer als esoterisch angehauchter Dealerin einigermaßen prächtig amüsieren. Zwei Stunden sind lang. Am Schluss hat man die eingangs gestellte Frage für sich selbst doch zur Zufriedenheit gelöst. (Ronald Pohl, DER STANDARD, 23.1.2014)

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