Mariahilfer Straße: Gastro-Legende startet Initiative pro Fußgängerzone

22. Jänner 2014, 17:34
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Motto- und Halle-Betreiber Bernd Schlacher ab Freitag mit Unterstützungswebsite

Wien – Bernd Schlacher ist ein umtriebiger Mann. Er führt seit den 1990er-Jahren das Lokal Motto im fünften Bezirk, hat die Halle im Museumsquartier, das Kunsthallen-Café am Karlsplatz und das Motto am Fluss gepachtet. Außerdem leitet er eine Catering-Firma. Sein neuester Streich geht in eine andere Richtung, abseits der Gastronomie: Er setzt sich für die Fußgängerzone auf der Mariahilfer Straße ein. Sie ist in den letzten Wochen und Monaten rauf und runter diskutiert worden.

Ab 17. Februar sollen nun die Bewohner des sechsten und siebten Bezirks über die Zukunft der Verkehrsberuhigungsmaßnahme abstimmen. Schlacher fände es schade, wenn das Projekt stirbt. "Man darf sich diese Chance nicht entgehen lassen", sagt er zum STANDARD. Ab Freitag geht er deshalb mit der Seite ja-zur-neuen-mahue.at ins Netz, die er mit "Freunden und Bekannten" aufgezogen hat.

Es soll eine "Storywall" geben, wo man Bilder hochladen und Texte zur Mahü verfassen kann. "Das ist eine private Initiative, ich will die Leute zum Nachdenken anregen." Denn, so Schlacher: "Es heißt immer nur ‚nein' und es wird herumgejammert." Doch tatsächlich bringe die neue Mariahilfer Straße eine hohe Lebensqualität. Schlacher, der mit der Halle einer der ersten im Museumsquartier war, zieht Vergleiche mit der Eröffnung damals. "Alle haben über das MQ geschimpft. Heute ist es ein internationales Vorzeigeprojekt und jeder ist unheimlich stolz darauf."

Zu wenig Überzeugungsarbeit

Dass vor allem Wirtschaftstreibende unzufrieden mit der Verkehrsberuhigung sind, findet Schlacher nicht gerechtfertigt: "Wenn der ‚Slama' zusperrt, glaube ich nicht, dass das an der neuen Mahü liegt. Vielmehr daran, dass sich die Menschen heute ihre Waren im Internet bestellen." Bei der Einführung der Fußgängerzone müsse man jedenfalls auch an die nächste Generation denken: "Man kann dort Beachvolleyball spielen und Kinderspielplätze errichten." Auch die Wirtschaftstreibenden würden was davon haben, wenn die Leute zum Flanieren auf die Mahü kommen.

Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen, dass die Ablehnung ein so breites Ausmaß erreicht hat? "Die Parteien sind es ungeschickt angegangen, haben im Vorfeld nicht darüber informiert, wie die neue Mariahilfer Straße im Endausbau aussehen wird." Es sei nicht genug Überzeugungsarbeit geleistet worden. Sollte das Projekt nicht umgesetzt werden, fürchtet Schlacher, dass es auch in den nächsten Jahrzehnten keine neuen Fußgängerzonen in Wien geben wird. Und das möchte er verhindern. (Rosa Winkler-Hermaden, DER STANDARD, 22.1.2014)

  • Bernd Schlacher gefällt die Mariahilfer Straße Neu.
    foto: christian fischer

    Bernd Schlacher gefällt die Mariahilfer Straße Neu.

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