Prinz Pezi rockt immer noch die Politik

Porträt22. Jänner 2014, 18:32
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Peter Pilz, der längstdienende Abgeordnete der Grünen, ist 60 - und denkt gar nicht ans Aufhören

Peter Pilz sagt, er gelte immer noch als eine der größten Nachwuchshoffnungen der Grünen. Am Mittwoch wurde er doch schon 60 Jahre alt, aber er könne damit umgehen, sagt er. Den Grünen verspricht er, nur bis zu seinem 70. Geburtstag für den Nationalrat zu kandidieren, danach werde man sehen. Er weiß, dass er nicht allen bei den Grünen damit eine Freude bereite, aber er hoffe darauf, im Alter von seinen Mitmenschen doch etwas milder behandelt zu werden.

1987, da war Pilz gerade ein Jahr lang im Nationalrat vertreten, wusste er ganz bestimmt, dass er nie Berufspolitiker werden und ganz sicher nur zwei Legislaturperioden im Nationalrat bleiben wolle. Mittlerweile ist Pilz der längstdienende Abgeordnete im Haus. Bei den Grünen gehört er zu den profiliertesten Politikern, und er polarisiert wie kaum ein anderer aus ihren Reihen. Der gebürtige Steirer ist das Schreckgespenst der Bürgerlichen, war lange Zeit die Hassfigur des Boulevards, ehe er sich auch als hartnäckiger Rechercheur und Aufdecker einen Namen machte.

Zu den Medien pflegt er ein wechselhaftes Verhältnis. Mit der "Kronen Zeitung" hat er sich weitgehend ausgesöhnt, dafür kultiviert er seinen Streit mit "Österreich". Prinzipiell beherrscht er die Klaviatur der Medien. Dass ihm auch ein gewisses Maß an Eitelkeit innewohnt, mag da kein Fehler sein. "Politiker, die sich selbst nicht mögen, denen glaube ich nicht", sagt er. "Und ohne Medien würde ich nicht gehört werden."

Politiker zu sein hält Pilz "für einen der schwierigsten Berufe, die man erlernen kann". Dass Politiker über einen derart schlechten Ruf verfügen, hält er für bedauerlich, aber gerechtfertigt. Es sei bloß eine kleine Minderheit, die zeige, dass es auch anders gehe.

Pilz, der seinen Doktor in Politikwissenschaft gemacht hat, engagierte sich während seiner Studentenzeit auch kurz als Mitglied der trotzkistischen Gruppe Revolutionäre Marxisten, was ihm den Ruf einbrachte, ein Extrem-Linker zu sein. 1986 war er Gründungsmitglied der Grünen Alternative, die aus der Vereinigung der konservativeren Vereinten Grünen Österreichs (VGÖ) mit der progressiveren Alternativen Liste Österreichs (ALÖ) hervorgegangen war. 1986 zog er gemeinsam mit Freda Meissner-Blau und sechs weiteren Abgeordneten erstmals ins Parlament ein.

In der Folge bekleidete Pilz so gut wie alle Funktionen, die es bei den Grünen gibt, er war Klubobmann und Bundessprecher, er war Spitzenkandidat der Wiener Grünen, bis auf acht Jahre im Wiener Rathaus war er durchgehend im Nationalrat. Hatte er keine offizielle Funktion, suchte er sich eine, bevorzugt jene als Aufdecker der Nation, und er fand immer lohnende Themenfelder: Lucona und Noricum, die Kurdenmorde, die Baukartelle, die Eurofighter.

Pilz schreibt nebenher Bücher, und zu seiner eigenen Freude singt er auch gerne: Als Prinz Pezi oder Old Pezihand rockt er die Bühne. Am Donnerstag darf ihm die Partei ein kleines Fest ausrichten. Zur Not wird sich irgendwo auch ein Mikrofon finden. (Michael Völker, DER STANDARD, 23.1.2014)

  • Wahlkampf im Jahr 1986: Peter Pilz will mit der Grünen Alternative ins Parlament.
    foto: standard/newald

    Wahlkampf im Jahr 1986: Peter Pilz will mit der Grünen Alternative ins Parlament.

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