Text als Zeichen oder Erzählung

22. Jänner 2014, 17:17
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"Texte in der Kunst" heißt die Ausstellung in der Galerie Kargl, in der eine breite Palette künstlerischer Arbeiten von den 1960er-Jahren bis heute präsentiert wird

Wien - Eines schon mal vorweg: Man muss sich trotz des Titels keineswegs davor fürchten, in der Ausstellung Texte in der Kunst textmäßig überfordert zu werden, und zwar weder was die Kunstwerke selbst noch etwaige Begleitschriften betrifft.

Das Rennen um die diesbezüglich reduzierteste Arbeit macht allerdings Richard Artschwager: Das Bild des US-amerikanischen Minimalisten zeigt Anführungszeichen, die in seinen Ausstellungen neben Frage- oder Ausrufezeichen immer wieder einmal zu sehen sind und nahelegen, seine Präsentationen wie "Statements" zu lesen.

Konzeptkünstler Robert Barry hat hingegen auf seine Word Paintings anstelle von Bildern bereits ganze Worte gesetzt. Zu seinem konzeptuellen Spiel mit Bedeutung passt außerdem Joseph Kosuths Neonarbeit ausgezeichnet, die man ebenfalls im Eingangsbereich der Galerie Georg Kargl präsentiert.

Spätestens die Zeichnungen von Marcel van Eeden lassen dort jedoch schon erahnen, dass der Textbegriff in der Ausstellung sehr weit gefasst wurde: Vom Niederländer zeigt man zwei Zeichnungen aus einer Serie, die ein wahres Verbrechen mit fiktiven Elementen zu einer umfassenden Geschichte verstrickt.

Mit den im Untergeschoß der Galerie folgenden formal wieder sehr reduzierten Arbeiten von Ketty La Rocca und Erwin Thorn hat dieser Ansatz nicht viel gemein. Aber dafür setzen dort Nedko Solakov, Andreas Fogarasi und überraschenderweise auch Gerwald Rockenschaub den narrativen Strang fort: Letzterer ist mit einer Reihe kleinformatiger Zeichnungen (um 1982) vertreten, auf denen er neben Texten auch schon mit symbolhaften Mitteln gearbeitet hat.

Arbeiten von Michael Gumhold, Muntean/Rosenblum oder auch von US-Minimalist Carl Andre nutzen darüber hinaus Wörter und Buchstaben als grafische Elemente: "sunsunsunsunsun" oder "rainrainrainrain" steht etwa in Schreibmaschinenschrift auf weißen A4-Blättern, die Carl Andre als Teil der Serie one hundred sonnets (1963) produziert hat.

Obwohl damit Poetisches auf streng Konzeptuelles - das Narrative zum Teil sogar verachtend - trifft, präsentiert man doch viele spannende Positionen, die den Besuch sehr lohnenswert machen. Es muss jedoch auch erwähnt werden, dass die Unterrepräsentation von Künstlerinnen gerade aufgrund des enorm breit aufgefächerten Themas nicht wirklich nachvollziehbar ist. (Christa Benzer, DER STANDARD, 23.1.2014)

Bis 8. 3., Galerie Georg Kargl

Schleifmühlgasse 5, 1040 Wien

Link

www.georgkargl.com

  • Ketty La Rocca: "You You" aus dem Jahr 1975.
    foto: georg kargl fine arts

    Ketty La Rocca: "You You" aus dem Jahr 1975.

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