Kritik an "Vogue"-Cover: Fies statt feministisch

Kommentar22. Jänner 2014, 13:53
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Der feministische Blog "Jezebal" kritisiert "Girls"-Star Lena Dunham für retuschierte "Vogue"-Fotos und tritt sich damit selbst Chauvinismus ein

Lena Dunham ist inzwischen ein Superstar. Und weibliche Superstars landen – früher oder später – auf dem Cover der "Vogue". Keine große Überraschung also, dass Dunhams Gesicht aktuell auf der US-amerikanischen Ausgabe zu sehen ist. Eine weitaus größere Überraschung war hingegen die massive Kritik an dem – no na – retuschierten Cover und der Fotostrecke im Heft, die vom US-amerikanischen Lifestyle-Blog mit feministischem Anspruch "Jezebel" kam. "Jezebel" bot sogar 10.000 Dollar für die Lieferung der unretuschierten Bilder, die auch recht bald in der Redaktion eintrudelten. "Jezebel" verglich anhand dieser Bilder die bearbeiteten mit den "echten" Fotos von Dunham und versah jede noch so kleine Abweichung mit Pfeilen auf die betroffenen Körperstellen.

Und das Lena Dunham

So wird also mit dem Körper von Lena Dunham umgegangen. Ausgerechnet! Mit ihrer Serie "Girls" (seit 2012) oder auch ihrem Erstlingswerk "Tiny Furniture" überzeugte sie Publikum wie Kritik. Auch, oder vor allem, zahllose Feministinnen schlossen sich der Begeisterung an. Völlig zu Recht, denn Dunham setzte ästhetisch und inhaltlich neue Maßstäbe. Themen wie sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz oder Abtreibung wird in "Girls" intelligent und mutig behandelt und Dunham zeigt sich als Hauptfigur Hanna Horwarth in jeder erdenklichen körperlich unvorteilhaften Szene – im Übrigen sehr gerne nackt und entspricht dabei auch noch keineswegs den gängigen Schönheitsidealen.

Lena Dunham muss gar nicht sagen, dass sie Feministin ist – ihre Arbeit ist der beste Beweis. Sie tut es dennoch gern und immer wieder.

Feministisch glaubwürdig?

"Jezebel" möchte nun aber offenbar Dunhams feministische Glaubwürdigkeit der Heuchelei überführen, indem der Blog sie mit den erwähnten Pfeilchen und ausformulierten Hinweisen bei den bearbeiteten Bildern ("schmälere Hüften" oder "verschwundene Augenringe") traktiert. Ganz im Stile von Celebrity-Magazinen der schlimmsten Sorte, die einerseits den "Schönheitswahn" der Stars anprangern und auf der anderen Seite jede noch so kleine Abweichung - wovon auch immer - fett mit roten Kreisen und Pfeilen markieren. Speckröllchen gesichtet? Hm – da hat wohl eine Liebeskummer! Die Hüftknochen treten zu stark hervor? Da hat wohl eine ihren Fitnesswahn nicht mehr im Griff!

"Jezebel" bemächtigt sich nun genau dieses Instrumentariums, um auf Frauen herumzukritzeln und an ihnen Endloskritik zu üben. Lena Dunham uneitel? Nicht uneitel genug! Dabei kann von einer Radikalretusche keine Rede sein. Auf den ersten Blick ist Dunham als Dunham zu erkennen und auch ihre Rundungen sind im Großen und Ganzen da, wo sie hingehören. Dass Hochglanz-Modemagazine wie die "Vogue" von jeglicher Retusche Abstand nehmen, ist wohl genauso wenig zu erwarten, wie dass Lena Dunham scharf darauf ist, als erstes und letztes unretuschiertes Covergirl in die Geschichte einzugehen. Geht es nach "Jezebel" sollte sie aber gefälligst auch das.

Dunham versteht die Kritik nicht

Lena Dunham kann die Photoshop-Kritik nicht verstehen. Es sei doch eine gute Sache, dass eine Frau auf dem Cover ist, die nicht das typische "Vogue"-Model ist, ob bearbeitet oder nicht. Auch eine andere famose Feministin der US-amerikanischen Showbranche, Tina Fey, drückt bei Fotoshootings gerne mal ein Kritik-Auge zu: "Wir sind hier zwar alle Feministinnen, aber Sie benutzen doch Photoshop, oder?", stellte sie bei ihrem Cover-Shooting für das Magazin "Bust" klar.

Nicht Lena Dunham verliert mit ihrem "Vogue"-Cover ihre feministische Glaubwürdigkeit, sondern "Jezebel". (Beate Hausbichler, dieStandard.at, 22.1.2014)

  • Lena Dunham auf der Februar-Ausgabe der US-amerikanischen "Vogue".
    foto: vogue

    Lena Dunham auf der Februar-Ausgabe der US-amerikanischen "Vogue".

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