Grüne wirken "einig und geschlossen"

22. Jänner 2014, 16:46
55 Postings

ÖVP wird am wenigsten als "geschlossen" wahrgenommen - Neos mit besten Werten

Zu Zeiten, als die Grünen noch eine junge Bewegung waren und Zeitungsschlagzeilen noch in Bleilettern gesetzt wurden, hatten die Zeitungen eine Schlagzeile im Stehsatz: "Grüne total zerstritten". Das passte fast immer und wurde dann genüsslich berichtet. Aber im Lauf von drei Jahrzehnten, die grüne Politiker in österreichischen Parlamenten gedient haben (der erste war Kaspanaze Simma 1984 im Vorarlberger Landtag, er hat sich mehrfach mit den Grünen überworfen), hat sich das Bild der Partei gewandelt. In der aktuellen Market-Umfrage der Vorwoche sagten 52 Prozent der Befragten (n=403, repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung), dass die Grünen "einig und geschlossen" wirkten.

Die Gegenmeinung – "Diese Partei ist eher uneinig und zerstritten" – wird nur von 30 Prozent vertreten. Damit liegen die Grünen in der Wahrnehmung der Bevölkerung ganz ähnlich wie die SPÖ (die von 51 Prozent als einig, von 32 als zerstritten gesehen wird) und die FPÖ (53 einig, 39 zerstritten).

Verändertes Bild

"Geschlossenheit zeigen und Orientierung geben – das ist es, was Parteien verlässlich erscheinen lässt. Wer will schon eine uneinige Partei wählen? Dass das Team Stronach in den Umfragen der vergangenen Monate so abgestürzt ist, hängt ja auch damit zusammen, dass niemand mehr das Team Stronach als einige Partei erlebt, bei der man weiß, was man daran hat. Die Grünen dagegen werden heute als eine etablierte Partei erlebt, die in ihrer Politik berechenbar ist", sagt Market-Parteienforscher David Pfarrhofer.

Er verweist dabei insbesondere auf die Entwicklung des Bildes als einige Partei: Noch im Herbst 2012 gab es eine (allerdings kleine) Mehrheit, die die Grünen eher als eine uneinige und zerstrittene Partei erlebte, damals sagten nur 43 Prozent, die Grünen seien "einig und geschlossen", 47 Prozent sahen sie als "uneinig und zerstritten". Noch zwei Jahre früher, im September 2010, sagten erst 37 Prozent, dass die Grünen einig seien, 53 Prozent hatten das Bild einer zerstrittenen Partei.

Das professionell-einige Bild der Grünen überwiegt heute in allen Altersgruppen, am stärksten ist es bei den Wahlberechtigten zwischen 30 und 50 Jahren verankert – das ist jene Altersgruppe, die die politische Entwicklung der Grünen über längere Zeit mitverfolgen konnte. Und: Je höher der Bildungsstand der Befragten ist, desto eher erleben sie die Grünen als geschlossene Partei, liest Pfarrhofer aus dem wichtigen Wählerreservoir der Grünen.

Beste Noten für Neos

Allerdings: Gerade die Zielgruppe der urbanen, gebildeten Wähler ist es auch, die in hohem Maß den Neos zutraut, eine geschlossene, einige Gruppierung zu sein. Aber auch von der Gesamtheit der Befragten gibt es für die Neos die besten Noten: 60 Prozent halten die Neos für einig, nur 19 Prozent für zerstritten, der Rest hat keine entsprechende Einschätzung.

Pfarrhofer analysiert: "Über die Neos gibt es kaum negative Berichte, die haben damit eine sehr gute Ausgangslage – deshalb haben sie in der Sonntagsfrage mit elf Prozent bereits ganz nahe zu den Grünen aufgeschlossen. Ob sich das bei einer echten Wahl halten ließe, kommt auf den Wahlkampf an. Aber da gibt es ja das Beispiel des Liberalen Forums in den 1990er-Jahren, dem bei der Wahl 1995 sogar gelungen ist, die Grünen zu überholen – das zeigt ebenso wie das Ausscheiden des Liberalen Forums aus dem Parlament bei der nächstfolgenden Wahl, dass die Wähler schon lange sehr wechselbereit sind."

Als besonders zerstritten gilt die ÖVP: Nur 15 Prozent sehen sie als geschlossene und einige Partei, 68 Prozent erleben den kleinen Koalitionspartner dagegen als uneinig. Und das nicht erst seit den jüngsten Auseinandersetzungen um die Gesamtschule, sondern bereits seit mehr als zwei Jahren. Market stellte die Frage nach Einigkeit versus Zerstrittenheit der ÖVP mehrmals seit 2010. Damals, im September 2010 noch unter Josef Pröll, galt die ÖVP als einige Partei, 63 Prozent sahen sie als geeint, nur 26 Prozent als zerstritten an. Mit dem Wechsel zu Michael Spindelegger wandelte sich auch das Bild der Partei. (Conrad Seidl, derStandard.at, 22.1.2014)

Share if you care.