Wie der Schreibtisch die Karriere fördert

23. Jänner 2014, 07:00
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Mit Ordnung oder Unordnung sendet der Schreibtisch klare Signale über seine "Besitzer". Das lässt sich steuern. Soll dem Chef Gewissenhaftigkeit oder Kreativität signalisiert werden? Die Botschaften sind nicht schwer zu senden

Wer Menschen einordnen will, macht es sich meist nicht besonders schwer, sondern schaut, was er sieht. Zum Beispiel Vorgesetzte. Die machen das gern. Ein Blick auf einen ordentlich aufgeräumten Schreibtisch, der mehr Leere als bewohnte Landschaft zeigt, sagt: Da ist Ordnung auch im Kopf, da ist Fähigkeit zum Selbstmanagement, da wird nichts gemacht, was am Arbeiten hindert.

Klar, es gibt auf diesem Schreibtisch keine selbstgezogene Pflanze, kein Familienfoto, nichts, was vom Job ablenken könnte. Und ausgetrocknete Kaffeeseen sowieso nicht, denn: Schlampigkeit gehört ja sicher nicht ins Profil dieser Schreibtischbesitzer. Inspizierende Chefs dürfen sich dann getrost auch in der Sicherheit wiegen: Nicht schwer zu führen, dieser Mensch, nicht widerspenstig, nicht viel Widerspruchsgeist da. Vielmehr wird Gewissenhaftigkeit und plangemäße Pflichterfüllung zugeordnet. Allerdings nicht, wenn die Ordnung zwanghaft wirtkt, dann werden Pedanterie, Besserwisserei und Unbeweglichkeit zugeordnet.

Stofftiere, Figürchen, kleine Zeitungsausschnitte, eine Reihe bunter Mitbringsel von zuhause - welche Menschen stellt man sich da vor? Tendenziell miteinander tratschende, von der Arbeit leicht abzulenkende Leute, die gerne Privat und Job verwechseln und daher besser vom Chef kontrolliert werden sollten.

Und das klassische kreative Chaos? Ja, ein geringer Ordnungsgrad wird dem kretiven Potential zugeordnet, soweit passt die klischee-artige Assoziation auch.

All diese Kategorisierungen sind eine Mischung aus Hobby-Psychologie und Studienbelegen. Man kann sie mögen oder nicht, Signale werden aber in jedem Fall gesendet. Und die lassen sich steuern. Will ich Gewissenhaftigkeit mit meinem Schreibtisch ausstrahlen? Tut es meiner Karriere besser, meine krative Ader zu demonstrieren? Möchte ich mich vor allen Grenzüberschreitungen schützen und verbanne ich deswegen lieber meine privaten Mitbringsel vom Schreibtisch?

Es lässt sich steuern

In Bürogemeinschaften sind solche Überlegungen sinnvoll. Denn sie dienen der Karriere und schützen vor Schubladisierungen, die man nicht haben will. Gerade, wenn sie von Vorgesetzten kommen. Aber Ordnung oder Unordnung "tun" auch etwas mit ihren Schreibtisch-Usern. Sie wirken zurück. Forscher der University of Minnesota haben belegt, dass ziemlich blanke Schreibtische gewissenhaftes Verhalten fördern. Menschen in aufgeräumter Büroumgebung wählen eher den Pausen-Apfel als den Schokoriegel - also für Diätpläne: Zuerst auch den Schreibtisch im Büro gut aufräumen.

Wer aus gewohnten Denkmustern ausbrechen will, der darf dieser Studie zufolge einmal versuchen, seinen Schreibtisch ordentlich mit Stapeln, Ausdrucken und Post-its zu befrachten: das macht bereiter, neue Ideen zu entwickeln.

Soweit so gut. Um Chaos zu erzeugen, braucht es vermutlich wenig Anleitung. Für das Aufräumen eher.

Hier sieben Tipps zum ordentlichen Schreibtisch:

1. Alles wegwerfen, was Müll ist - Papierln, Sackerlreste, Kaugummi-Verpackungen, lose Zettel aus dem Vorjahr.

2. Alle Utensilien durchprobieren: Was nicht mehr schreibt, nicht mehr klebt, nicht mehr locht: weg. Und: Niemand braucht mehr als drei Kugelschreiber und zwei Bleistifte. Fünf Spitzer und neun Radiergummi belasten. Weg damit. Ein Stück reicht.

3. Unterlagen nach Projekten zusammen legen, in Ordner packen und beschriften. Dabei durchsehen, was schon weg kann und nicht mehr gebraucht wird.

4. Genau überlegen, was auf der Schreibtischoberfläche wirklich gebraucht wird. Alle Stapel von allen Unterlagen - das geht nicht und ist sicher nicht notwendig.

5. Alle Behältnisse prüfen: Wieso müssen die Highlighter auf dem Schreibtisch stehen? Die Nachfüllung für den Hefter? Der Reservebecher für Schreiber? Nein. Weg damit.

6. Die Elektronik: Wie verwurschelt sind Kabel, wie sehen die Stecker aus, was hängt dran? Entwurschteln. Abstecken und ab in die Lade mit allen Geräten, die nicht dauernd gebraucht werden.

7. Und jetzt: Putzen. Selber. Reinigungsutensilien mitbringen und los! (Karin Bauer, derStandard.at, 23.1.2014)

 

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