FIFA schlägt wegen WM-Baustelle Alarm

22. Jänner 2014, 22:23
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Das Stadion in Curitiba droht nicht rechtzeitig fertig zu werden, und am Flughafen von Fortaleza muss improvisiert werden

Rio de Janeiro/Köln - Verzögerung beim Stadionbau in Curitiba, drohendes Chaos am Flughafen von Fortaleza und schwere Vorwürfe gegen die örtlichen Behörden wegen angeblicher Zwangsumsiedlungen: WM-Gastgeber Brasilien sorgt 114 Tage vor dem Eröffnungsspiel für neue Negativschlagzeilen und löst damit offensichtlich auch beim Fußball-Weltverband FIFA Alarmstimmung aus.

Brasiliens lokales WM-Organisationskomitee hat erstmals offiziell gestanden, dass Curitiba als WM-Spielort gefährdet ist. "Die Lage ist schwierig", sagte Verbands- und Komiteepräsident Jose Maria Marin am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Natal. Die Bauverantwortlichen müssten verlorene Zeit aufholen. "Wenn nicht, könnte die FIFA das erste Mal einen Plan B prüfen", warnte Marin.

"Wir können keine Spiele ohne Stadion organisieren. Die Situation hat einen kritischen Punkt erreicht", stellte FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke bereits nach der zweiten Station seiner Inspektionsreise durch Brasilien im WM-Spielort Curitiba vorher unmissverständlich fest und fügte hinzu: "Die Sache ist delikat. Um ehrlich zu sein, ist die aktuelle Situation nicht gerade ideal. Der Stadionbau ist stark in Verzug und definitiv außerhalb der vereinbarten Frist für die Nutzung durch die FIFA sowie im Rahmen der Weltmeisterschaft."

Der Franzose machte sich und dem brasilianischen WM-OK aber auch Mut: "Wir müssen positiv denken. Aus diesem Grund haben wir uns mit den wichtigsten Entscheidungsträgern getroffen, um Lösungen zu erarbeiten."

Deadline missachtet

Der FIFA-General drohte dennoch damit, die Hauptstadt des Bundesstaates Parana als WM-Austragungsort zu streichen. "Wir hoffen, dass unsere Gespräche mit der Landesregierung und dem Stadtrat von Curitiba die gewünschten Ergebnisse bringen, damit die Stadt nicht als WM-Spielort gestrichen wird", sagte Valcke nach der Stadionbesichtigung, bei der ihm offenbar die Augen geöffnet wurden. Jede Deadline, die die FIFA gesetzt habe, sei missachtet worden, klagte er.

Die Arena hätte zu 90 Prozent fertiggestellt sein müssen, ist aber ein gutes Stück weit davon entfernt. In vier Wochen war die Einweihung der nach der Renovierung 40.000 Zuschauer fassenden Arena da Baixada von Atlético Paranaense geplant. Nun setzte Valcke den Verantwortlichen ein neues Ultimatum.

"Spätestens am 18. Februar müssen die lokalen Organisatoren beweisen, dass das Stadion WM-fähig ist", sagte der 53-Jährige. Anschließend werde der Weltverband entscheiden, ob Curitiba, wo vier Vorrundenspiele geplant sind, auf dem WM-Spielplan bleibt. Die Chancen stehen derzeit aber eher schlecht, wie selbst der zuständige Staatssekretär Mario Celso Cunha zugab: "Es sieht so aus, dass die Arena da Baixada nicht rechtzeitig zur WM fertig wird."

Sechs Stadien nicht im Zeitplan

Insgesamt liegen derzeit sechs der zwölf vorgesehenen WM-Stadien hinter dem Zeitplan zurück. In Curitiba waren die Arbeiter im Dezember wegen ausstehender Gehälter in einen Streik getreten.

Aber nicht nur bei den Stadion-Arbeiten meldet Brasilien Verzug, auch bei der Modernisierung der Infrastruktur tauchen immer neue Probleme auf. Am Flughafen von Fortaleza drohen während der WM (12. Juni bis 13. Juli) chaotische Zustände.

Nach massiven Verzögerungen wird die Renovierung des Airports erst nach der WM abgeschlossen, für die Dauer des Turniers soll ein provisorisches Zelt errichtet werden. Nach Informationen des News-Portals G1 war zum Jahreswechsel erst ein Viertel der Arbeiten abgeschlossen. In Fortaleza finden sechs WM-Spiele statt.

Zwangsumsiedlungen

Für Aufregung sorgt auch ein Bericht der WM- und olympiakritischen Organisation Nationale Artikulation, die sich als Sprachrohr der brasilianischen Protestbewegung sieht. Demnach wären mehr als 250.000 Menschen wegen Bauarbeiten vor der Fußball-WM und den Olympischen Sommerspielen 2016 von Zwangsumsiedlungen betroffen. "Es gibt eine soziale Säuberung", sagte Nelma Gusmao de Oliveira von der Universität UES. Ziel der Maßnahmen sei es, ärmere soziale Schichten aus dem Umfeld der neuen Sportarenen zu entfernen. (sid, 22.1.2014)

  • Das Stadion in Curitiba harrt einer Fertigstellung.
    foto: ap/ renata brito

    Das Stadion in Curitiba harrt einer Fertigstellung.

  • Aktuell erinnert die Konstruktion eher an einen Rohbau.
    foto: ap/ paulino menezes

    Aktuell erinnert die Konstruktion eher an einen Rohbau.

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