In Hirschköpfen existiert der Eiserne Vorhang noch

22. Jänner 2014, 12:55
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Studie zeigt, dass Rothirsche in Böhmerwald und Bayerischem Wald nicht über die Grenze wechseln

Prag - Die Reste des Eisernen Vorhangs, der sich einst von Finnland bis Griechenland durch Europa zog, gelten seit längerem als ökologisches Hoffnungsgebiet. Diese Zone ist immer noch weitgehend naturbelassen und bietet Tieren nicht nur Rückzugsgebiete, sondern auch Wanderwege - eine Seltenheit im dicht besiedelten Europa. Das von der Weltnaturschutzunion betriebene Projekt "Grünes Band Europa" versucht dies als einzigartige Kette von Biotopen zu erhalten.

Und doch hat die Zeit, als der Eiserne Vorhang noch eine unüberwindliche Barriere zwischen Ost und West bildete, Spuren hinterlassen - sogar im Verhalten von Tieren. Tschechische Forscher im Nationalpark Böhmerwald haben herausgefunden, dass Hirsche in der Region immer noch die Grenze "respektieren". 

Mehrjährige Studie

Die Tiere wurden für die Studie mit Funk-Halsbändern ausgestattet und sechs Jahre lang beobachtet. Die Forscher vermuten, dass Hirschkühe über Generationen die Abgrenzung ihres Territoriums an ihre Nachkommen weitergeben. Fast 25 Jahre nach der Grenzöffnung halten sie unbeirrt daran fest. Die Rothirsche des Böhmerwalds, der unmittelbar an den Nationalpark Bayerischer Wald grenzt, nutzen demnach im Schnitt ein Gebiet von etwa 60 Quadratkilometern.

"Die Hirsche auf der tschechischen Seite des Böhmerwalds wandern genau bis zu der Stelle, wo früher Stacheldraht den Sperrbereich vor der Staatsgrenze markierte", sagte der Zoologe Pavel Sustr. Ähnlich verhielten sich ihre Artgenossen auf der anderen Seite der deutsch-tschechischen Grenze. (red/APA, derStandard.at, 22. 1. 2014)

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