Debian: Pattsituation zwischen Upstart und Systemd

22. Jänner 2014, 11:49
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Suche nach neuem Startsystem verläuft wie erwartet kontrovers - Diskussion über projektweite Abstimmung

Das Startssystem gehört fraglos zu den wichtigsten Bestandteilen einer Distribution, entsprechend wohl überlegt soll ein Wechsel an dieser Stelle überlegt sein. Nachdem in der Linux-Welt jahrelang das klassische SysV dominiert hat, sind in den letzten Jahren mehr und mehr Distributionen auf mächtiger und flinkere Alternativen umgestiegen. Nun debattiert auch das Debian-Projekt über einen solchen Schritt, und wie zu erwarten, fällt die Diskussion darüber äußerst kontrovers aus.

Patt

Wie heise open berichtet, hat sich im Debian Technical Comittee, das über die Wahl entscheiden soll, eine Pattsituation entwickelt. So stellen sich jeweils vier Mitglieder hinter das von Ubuntu-Entwickler Canonical forcierte Upstart als auch hinter das mittlerweile von vielen anderen Distributionen genutzte Systemd. Selbst Drittunternehmen - und intensive Debian-Nutzer - wie Spotify hatten sich zuletzt für Systemd stark gemacht.

Upstart

Dass Upstart trotzdem so viel Unterstützung bekommt, ist allerdings nicht überraschend. Immerhin sind zwei der Mitglieder des Debian Technical Comittee Canonical-Angestellte. Auch gibt es aus der Community immer wieder Kritik am Systemd-Projekt, weil manchen dessen Vorgehen zu forsch anmutet.

Entscheidung

Nach dem aktuellen Stand würde die Wahl dennoch auf Systemd fallen, da im Falle eines Stimmengleichstands der Vorsitzende des Komitees,  Bdale Garbee, entscheiden würde. Und dieser hat sich klar hinter Systemd gestellt. Vorausgesetzt natürlich es entscheidet sich nicht noch ein weiteres Mitglied des Komitees um.

Abstimmung?

Damit ist die Situation aber noch längst nicht geklärt. Zeigen sich doch mittlerweile einzelne Mitglieder des Debian-Projekts mit der Art der Entscheidungsfindung an sich unzufrieden. Es sei nicht zu akzeptieren, dass eine kleine Gruppe eine solch zentrale Entscheidung für das gesamte Projekt trifft. Also wurde ein Antragsentwurf erstellt, der eine Abstimmung unter allen Debian-Entwickler_innen fordert.

Zeitnah

Unterdessen wurde vom Technical Comittee beschlossen, dass die Entscheidung ohnehin erst mittelfristig Konsequenzen hat. Bei Debian 8 soll weiter das klassische SysV zum Einsatz kommen. Auch wird es anderen Debian-Unterprojekten explizit untersagt, dass sie fix ein bestimmtes Init-System voraussetzen. Dies könnte vor allem für die Debian-GNOME-Entwickler_innen einiges an Mehrarbeit zur Folge haben, setzt doch das GNOME-Projekt selbst mittlerweile an einigen Stellen Systemd voraus. (apo, derStandard.at, 22.01.14)

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    grafik: debian
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