Direktoren sollen sich Lehrer selbst aussuchen

22. Jänner 2014, 17:00
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Schulexperte sieht bei der Schulautonomie eine Kluft zwischen Praxis und gesetzlichen Regelungen

Das Unterrichtsministerium möchte bundesweit ein neues System für die Besetzung von Lehrern einführen. Das kündigte Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) am Mittwoch an. Die Schulleiter an allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) sollen künftig mithilfe einer neuen Software ("Get Your Teacher") mehr Mitspracherecht bei der Besetzung offener Stellen erhalten.

Aufgelistet werden in diesem Programm Zusatzqualifikationen und Fortbildungen, bei Interesse soll es auch ein Bewerbungsgespräch mit dem "Wunschlehrer" geben, der am besten in das Schulprofil passt. Die Letztentscheidung bleibt aber beim Landesschulrat. Für Heinisch-Hosek ist das Projekt ein "Startschuss für mehr Schulautonomie".

Auch die ÖVP-nahe Schülerunion begrüßt die bundesweite Umsetzung. Jede Schule habe ein individuelles Profil, sagt deren Bundesobmann Thomas Gaar. "Deshalb setzen uns wir als Schülerunion seit Jahren für mehr Mitbestimmung der Direktoren bei der Lehrerbestellung ein." Das Programm "Get Your Teacher" war zuvor in einem Pilotversuch in der Steiermark erprobt worden. Es soll spätestens im Herbst österreichweit zum Einsatz kommen.

Mitspracherecht der Direktoren existiert bereits

Felix Jonak ist im Unterrichtsministerium seit 35 Jahren für Schulrecht zuständig und laut Selbstdefinition "begeisterter Anhänger der Schulautonomie". Er sieht die erhobene Forderung kritisch. "Wieso soll nur der Schulleiter entscheiden und nicht auch Schüler, Eltern und Lehrer mitreden können?", fragt er. Es drohe außerdem die Gefahr, dass die besten Lehrer nur mehr in die Zentralräume gehen. Die Direktoren hätten nicht die Möglichkeit, sie mit mehr Geld in die Peripherie zu locken.

Jonak, der im Rahmen des Symposiums der Österreichischen Gesellschaft für Schule und Recht (ÖGSR) über die Entwicklung der Schulautonomie referiert, sieht beim Ausbau der Schulautonomie in Österreich nicht mehr viel Spielraum. Die Schulleiter könnten auch jetzt schon bei der Lehrerauswahl mitreden. Es existiere eine Kluft zwischen der gelebten Praxis und den gesetzlichen Regelungen, betont er.

Was Schulen dürfen

Das erste Gesetz im Rahmen der Schulautonomie in Österreich stammt aus dem Jahr 1974. Wesentliche Neuerungen brachte die Novelle des Schulorganisationsgesetzes 1993. Damit wurde das Wort "Schulautonomie" auch explizit ins Gesetz geschrieben. Gleichzeitig wurden etwa mehr Freiheiten bei den Lehrplänen eingeführt.

Diese Autonomie begrüßt auch Jonak, der darin die Möglichkeit sieht, auf die jeweils gegebenen Bedürfnisse in einer Schule einzugehen. "Wenn man gut Schulautonomie betreibt, ist es für alle günstiger." Bestimmungen zur Schulautonomie finden sich aber auch in anderen Schulgesetzen. Die Schulpartner, also Schüler, Eltern und Lehrer, können etwa die Stundenzahl von Pflichtgegenständen verändern, zusätzliche Pflichtgegenstände einführen oder unverbindliche Übungen schaffen. Auch über schulautonome Tage kann bestimmt werden. Bei der Auswahl von Lehrern haben sie aber - bisher - keinerlei Kompetenzen. (APA/red, derStandard.at, 22.1.2014)

  • Experte Jonak sieht die Lehrerauswahl durch Direktoren kritisch.
    foto: dpa-zentralbild/arno burgi

    Experte Jonak sieht die Lehrerauswahl durch Direktoren kritisch.

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