Syrienkonferenz: Teheran hat sich selbst an Assad gekettet

22. Jänner 2014, 10:06
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Syrien: Widerstandsasset oder Klotz am Bein

Einen "Imperativ für die iranische Außen- und Sicherheitspolitik" nennt der Iranist Walter Posch (Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin) Teherans Unterstützung des Assad-Regimes: Die Argumentation, dass der Iran in Damaskus verteidigt wird, gründet auf der Überzeugung, dass der Aufstand in Syrien ein Komplott von außen ist, um die "Widerstandsachse" - die sunnitischen Araber sagen "schiitischer Halbmond" dazu - zu brechen und den Iran in der Levante entscheidend zu schwächen (die spiegelgleiche Auffassung zu der, die Saudi-Arabien von den Unruhen in Bahrain hat.)

Beschädigte Widerstandsachse Die iranische "Widerstandsachse" ist jedoch ohnehin schon beschädigt. Denn sie war nur mit der (wenngleich nicht schiitischen) palästinensischen Hamas komplett, die sich - als Muslimbrüder-Spross - im Syrien-Konflikt auf der Gegenseite, gegen Assad, wiederfand. Mit der Wahl Hassan Rohanis zum iranischen Präsidenten und seiner Normalisierungspolitik - ohne die die Ad-hoc-Einladung des Uno-Generalsekretärs Ban Ki-moon an den Iran gar nicht denkbar gewesen wäre - stellt sich die Frage, ob Syrien sich für den Iran à la longue als Verhandlungsasset erweist oder doch vor allem als Klotz am Bein. Auch deshalb wird in Teheran vor allem der "Willen des syrischen Volkes" betont: Die Botschaft ist, dass man nicht an der Person Bashar al-Assad hängt.

Da es schwer sein wird, die engen Beziehungen zu einem Post-Assad-Regime hinüberzuretten - außer zwischen dem Iran und Saudi-Arabien bricht der himmlische Friede aus -, ist der Iran aber gewissermaßen an Assad gekettet. Der Libanon gehört auch in die Gleichung. Die schiitische Hisbollah griff, wie man heute weiß, auf direkte iranische Anordnung kämpfend in Syrien ein, mit entsprechend hohem politischem Kollateralschaden für die libanesische Konkordanzdemokratie (die politische Abmachung zwischen den konfessionellen Gruppen) und hohem Risiko für die Hisbollah selbst, falls die Sache für Assad und den Iran schlecht ausgeht. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 22.1.2014)

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