Optimistische Stimmung in Davos

21. Jänner 2014, 21:02
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Beim Weltwirtschaftstreffen ist wieder von Aufschwung die Rede, der Westen gilt überraschend als "Wachstumslokomotive" für 2013

Es ist der alljährliche Stimmungstest zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos, das am Mittwoch beginnt: Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) stellt jedes Jahr am Vorabend des offiziellen Starts des Treffens der Wirtschafts- und Politelite seine Umfrage vor. Demnach sind die Stimmung und die Wirtschaftsaussichten heuer besser als ein Jahr davor, aber viele Unsicherheiten bleiben. 

Laut dieser Umfrage unter 1344 Vorstandsvorsitzenden aus 68 Staaten sind 39 Prozent "sehr zuversichtlich", dass ihre Unternehmen 2014 Wachstum verzeichnen werden - ein höherer Wert als vor einem Jahr mit 36 Prozent.

Was die makroökonomischen Aussichten betrifft, sind die Bosse  deutlich optimistischer: 44 Prozent gehen davon aus, dass sich die globale Wirtschaftslage verbessern wird, während dies vor einem Jahr nur 18 Prozent annahmen. Nur sieben Prozent - im Vorjahr waren es noch 28 - gehen davon aus, dass die Weltwirtschaft schrumpfen wird. "Die Zuversicht unter den Topmanagern beginnt wieder zu wachsen", sagte Norbert Winkeljohann, Deutschland-Chef von PwC bei der Präsentation in Davos.

Dennis Nally, Chef von PwC International, versuchte bei der Präsentation am Dienstagabend diese Kluft zwischen Unternehmenseinschätzung und weltwirtschaftliche Aussichten zu erklären: Dass die Situation der eigenen Unternehmen deutlich pessimistischer eingeschätzt werde, sei auf die Besorgnis vor Überregulierung und die Auswirkungen der technologischen Veränderungen zurückzuführen. Überregulierung als Auswirkung der Finanzkrise seit 2008 treibt die Topmanager am häufigsten um laut dieser Befragung.

Die Unternehmenschefs wollen heuer auch wieder mehr Personal einstellen: Mehr als die Hälfte der Manager gaben bei der Befragung an, dass sie zusätzliche Mitarbeiter einstellen wollen - im Vorjahr waren es 45 Prozent.

Der Optimismus, was die Entwicklung der Weltwirtschaft heuer betrifft, ist vor allem auf die Erholung im Westen zurückzuführen: die USA, Deutschland und Großbritannien werden plötzlich als Wachstumsmotoren genannt, auch Japan scheint die wirtschaftlich schwierigen Jahre hinter sich gelassen zu haben. In den vergangenen Jahren hatte bei dem Treffen der rund 2500 Teilnehmer in Davos die Eurokrise die Diskussionen dominiert. Die Wachstumshoffnungen waren vor allem um die so genannten BRICS-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) konzentriert. Diesmal sind es vor allem Manager aus Westeuropa, die eine kurzfristige Verbesserung der wirtschaftlichen Lage erwarten. Das Vertrauen, dass sich heuer die Einnahmenssituation verbessern wird, hat unter ihnen am stärksten binnen Jahresfrist zugenommen und ist von acht auf 30 Prozent geklettert.

Die Rückkehr des Westens sei eine der Hauptschlagzeilen für Davos 2014, meinte Nelly. Rund um den Zauberberg in Davos macht bereits das Wort "Aufschwung" die Runde. Mit der Erholung in den USA, dem Ende der Rezession in der Eurozone und den ausgerufenen Wirtschaftsreformen in China steht das Treffen unter einem günstigeren Stern. Die Wirtschaft in Staaten, die schon als "flau und alt" betrachtet worden sind wie die USA, Großbritannien, Deutschland und Japan "sind die neuen Wachstumslokomotiven für 2014", befindet auch Nariman Behravesh, der Chefökonom des internationalen Beratungsunternehmens IHS. Die aufstrebenden Staaten würden dagegen "Dampf verlieren". Auch Barry Salzberg, Chef von Deloitte, hat eine ähnliche Einschätzung: "Die Wirtschaftsführer sehen derzeit positivere Aussichten in den entwickelten Märkten, während sie in den aufstrebenden Märkten teilweise sogar überlegen, Investitionen zurückzuschrauben." (Alexandra Föderl-Schmid, derStandard.at, 22.1.)

  • Matt Damon, Mitbegründer der gemeinnützigen Organisation "water.org", bekam bei der Eröffnung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos den "Crystal Award" verliehen.
    foto: apa / laurent gillieron

    Matt Damon, Mitbegründer der gemeinnützigen Organisation "water.org", bekam bei der Eröffnung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos den "Crystal Award" verliehen.

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