Ärzteprotest: Herzstechen und Nervenflattern

21. Jänner 2014, 19:14
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Deutlich kleiner als geplant fiel der Protest der AKH-Ärzte am Dienstag aus. Med-Uni-Rektor Wolfgang Schütz will an der Streichung der Journaldienste festhalten. Besonders laut ist der Protest in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Wien - Der große Protesttag der Wiener AKH-Ärzte begann mit einem Mini-Eklat, den ihnen der Obmann der Bundeskurie der angestellten Ärzte eingebrockt hatte: In einem am Dienstag erschienenen Interview mit dem STANDARD zum Thema Ambulanzgebühren hatte Mayer gesagt, Patientenströme müssten geleitet werden - und: "Dazu gehört, dass man eben nicht wegen jeder Kleinigkeit, etwa wegen ein bisschen Herzstechen um 23 Uhr, die Ambulanz aufsucht."

Nachdem Ärztekammerpräsident Artur Wechselberger wohl eine telefonische Klarstellung begehrt hatte, meldete sich Mayer auch noch einmal öffentlich zu Wort, um seinen Sager zu relativieren. Es habe sich um "eine unglückliche Formulierung" gehandelt, und: "Der, der glaubt, er stirbt, der soll zu uns kommen." Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) sagte im Pressefoyer nach dem Ministerrat, Mayers Äußerung zeuge von einem "falschen Zugang", er bezweifle aber, dass es sich dabei um eine Ärztekammer-Position handle.

Zurück zum eigentlichen Geschehen des medizinischen Protestes. Es waren laut Polizeiangaben etwa 150 Ärzte, die ihren Dienst am Dienstagmorgen unterbrachen, um in der Spitalgasse in Wien-Alsergrund eine öffentliche Betriebsversammlung abzuhalten. Sie wehren sich damit gegen die Reduktion der Journal-Nachtdienste, die Med-Uni-Rektor Wolfang Schütz Anfang des Jahres verfügt hatte. Dazu sagte der Betriebsratsobmann des wissenschaftlichen Personals, Thomas Perkmann: "Das AKH ist bisher nicht zusammengebrochen, weil das Personal alle Kürzungen aufgefangen hat. Wir glauben aber, dass wir jetzt an eine Grenze gestoßen sind. Die Belastung für die Ärzte hat ein nicht mehr tragbares Ausmaß erreicht." "Überfallsartig" und ohne Plan habe man die Dienste vermindert.

Geharnischter Brief

Freilich: Nicht alle im AKH sehen in der Entscheidung von Rektor Schütz das alleinige Übel. Ein gewisses Verständnis für Einsparungsnotwendigkeiten seitens der Med-Uni ist in Österreichs größtem Krankenhaus auf der einen oder anderen Station durchaus herauszuhören. Auch auf der Ebene des mittleren Managements, so heißt es, habe es klare Fehlentscheidungen gegeben.

So sieht sich etwa Siegfried Kasper, Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am AKH, mit einem geharnischten Brief seiner Oberärzte konfrontiert, der dem Standard vorliegt. So seien die Mitarbeiter erst Mitte Dezember per Mail über die Streichung von zwei Konsiliar-Journaldiensten ab Jänner informiert worden. Dies führe dazu, dass keine psychiatrischen Fachärzte hinzugezogen werden könnten, wenn auf einer anderen Station jemand etwa wegen eines Suizidversuchs oder einer akuten Psychose eingeliefert worden sei. Als "Ersatz" für die gestrichenen Arztstellen habe es lediglich eine zusätzliche Sekretärin auf der Station gegeben.

Rektor hält an Reform fest

Med-Uni-Rektor Schütz betonte am Dienstag, an seiner Entscheidung sei nicht zu rütteln: "Die Strukturreformen werden fortgesetzt, an der Anzahl der reduzierten Journaldienste wird festgehalten." In einem Gespräch mit dem Betriebsrat und der ärztlichen Direktion der AKH sei vereinbart worden, im Zuge der Umstrukturierungen alle Journaldienste zu evaluieren.

Von politischer Seite möchte sich niemand in die heikle Diskussion einmischen. Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) sagte, die Arbeitszeitfrage sei direkt am AKH zu klären - und Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) wünscht sich eine Lösung des Problems, "das sicher nicht durch uns entstanden ist". (Andrea Heigl, DER STANDARD, 22.1.2014)

  • Große Forderungsballons in der Spitalgasse: Die Ärzte des Wiener AKH wollen die Streichung von Diensten nicht hinnehmen.
    foto: standard/fischer

    Große Forderungsballons in der Spitalgasse: Die Ärzte des Wiener AKH wollen die Streichung von Diensten nicht hinnehmen.

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