Vatikan-Umfrage: Ende der Papageientheologie

Kommentar21. Jänner 2014, 19:10
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Es gilt die Chance eines Neuanfangs zu erkennen

Mischt euch unter die Herde und nehmt den "Geruch der Schafe" an: Als Papst Franziskus diesen Arbeitsauftrag in die klerikale Welt versandte, mag wohl so mancher Bischof pikiert die Nase gerümpft haben. Zu tief sitzt bei vielen Würdenträgern die Angst vor der Vielfalt als größter Bedrohung der Einheit.

Doch der Papst ist seiner Linie treu geblieben - und hat die Ortsbischöfe mittels weltweiter Familienumfrage zum Blick in den "Stall" genötigt. Dass die Welt der Kirche nicht zwingend die der Gläubigen ist, überrascht wenig. Dennoch wird die erste päpstliche Basiserhebung nicht ohne Folgen bleiben.

Man war bereit zu hören, was die eigene Klientel so denkt. Die Antworten fielen - in Österreich und wohl weltweit - eindeutig aus: Erstmals sind jetzt die massiven Dissonanzen zwischen Kirchenleitung und Kirchenvolk statistisch erfasst. Und die Bischöfe sind gezwungen, sich einem Zukunftsdialog zu stellen und über Schritte der Harmonisierung nachzudenken. Es gilt, in dem Spannungsfeld die Chance eines Neuanfangs zu erkennen - und den Menschen wieder ins Zentrum des Glaubens zu rücken.

Noch ist die Gefahr, dass man sich vor konkreten Änderungen hinter römischen Mauern versteckt, nicht gebannt. Aber eines steht heute schon fest: Das Ende der Papageientheologie - was immer war, ist auch jetzt und in alle Ewigkeit gültig - wurde mit der päpstlichen Umfrage eingeleitet. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 22.1.2014)

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