Widerstrebende Interessen der Groß- und Regionalmächte

21. Jänner 2014, 18:55
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Die USA üben sich in Bezug auf Syrien in neuer Bescheidenheit - Sorge vor ungewollter Hilfe für Al-Kaida

Als das US-Kabinett im vergangenen Frühjahr über Waffen für die syrischen Aufständischen diskutierte, war Barack Obama, so schilderten es Insider, "the last man standing". Der Letzte, der darauf beharrte, keine Waffen an die Rebellen zu liefern. Während Pentagon, Außenministerium und CIA grünes Licht gegeben hatten, bestand der Präsident auf einem Embargo. Erst im Juni ließ sich Obama vom Gegenteil überzeugen. Nach einem Fazit der New York Times ist die Hilfe bis heute "sehr begrenzt" geblieben.

Natürlich liegt es an der Befürchtung, dass Waffen in die Hände radikalislamischer Milizen fallen könnten. Natürlich steckt alten Hasen die Erfahrung Afghanistans in den Knochen. Indem Washington die Mujahedin hochpäppelte, um die Sowjetunion zum Abzug zu zwingen, begünstigte es eine Entwicklung, in deren Ergebnis Al-Kaida-Fanatiker eine Heimstätte fanden. Aleppo, lautet die Schlussfolgerung, darf kein zweites Kandahar werden. Unausgesprochen heißt das: dann lieber Bashar al-Assad. Doch entscheidend ist die Weltsicht Obamas, nach der Amerika, selbst wenn es wollte, grandios überfordert wäre mit der Rolle des Weltpolizisten.

Kein politischer Wille zur Intervention

Dass Assad die Macht aufgeben müsse, haben Obama und Außenminister John Kerry oft genug verlangt. Es ändert nichts daran, dass die USA kaum etwas tun werden, um die Kräftebalance militärisch zu kippen. Wer das Blatt wirklich wenden wolle, gibt Obama in einem Gespräch mit dem New Yorker zu verstehen, müsste schon bereit sein zu einer Intervention wie 2003 im Irak. Ein solches Szenario aber findet keine Mehrheiten, weder im Kongress noch in Meinungsumfragen. "Womit wir es zu tun haben", analysiert Obama, "ist eine autoritäre, brutale Regierung, die alles tut, um an der Macht zu bleiben, und eine Opposition, die desorganisiert, schlecht ausgerüstet und ausgebildet und in sich gespalten ist." Angesichts der Fakten sei es seine beste Chance, mit jenen zu arbeiten, die den größten Einfluss hätten - mit Iranern und Russen -, und mit den arabischen Golfstaaten, die die Rebellion finanzieren.(Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, 22.1.2014)

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