Wanderung der Watte

21. Jänner 2014, 18:19
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Ein Sporttrikot und seine gewichtige Rolle im Stück "Das Ding" von Philipp Löhle. Österreichische Erstaufführung im Theater Drachengasse

Wien - Die Welt ist vernetzt, Brücken werden über Kontinente geschlagen. Philipp Löhle treibt das in seinem 2011 uraufgeführten Stück Das Ding auf die Spitze. Wie hängt ein afrikanischer Baumwollbauer mit einem chinesischen Sojabohnenhändler und einer Stockholmer TV-Show oder einer extrovertierten Ehefrau in Deutschland zusammen? Die abenteuerliche, aber plausible Handlung geht so:

Ein Baumwollsamen wird in Afrika seiner Bestimmung zugeführt, seine Wattebäusche später geerntet und zu einem Sporttrikot verarbeitet. Dieses wiederum landet bei einem Teenage-Kicker in Deutschland, der das Leiberl irgendwann seiner Schwester schenkt, die unglücklich verheiratet ist, weswegen sie sich nackt vor der Webcam räkelt, was wiederum einen Sojahändler in China auf den Plan ruft und ihn dazu bewegt, diese "Princess" zu erobern.

Als er aber an ihre Haustür in Deutschland klopft, kommt auch der Gatte grad heim, und es löst sich ein Schuss, der leider das Trikot (am Körper der Frau) durchdringt, sodass es daraufhin weggeschmissen wird und in einem "Dead Men's Clothes"-Paket seinen Weg zurück nach Afrika findet.

Klingt ein wenig nach dem verwinkelten Bauplan von Roland Schimmelpfennigs Erfolgsstück Der goldene Drache und ist wohl auch so gemeint: als Globalisierungs- und Entwicklungshilfe-Farce mit tragischem Hintergrund, aber mitteltraurigem Finale.

Diese nicht nur narrativ herausfordernde Geschichte ordnet Regisseurin Sandra Schüddekopf im Theater Drachengasse in einer Regalwand an. Auf drei Etagen (Bühne: Andrea Fischer) kommen die Protagonisten (in mehreren Rollen: Thomas Groß, Katrin Grumeth, Yodit Riemersma, Johannes Schüchner und Dirk Warme) ins Spiel und machen die in Wahrheit lächerlich zufälligen Zusammenhänge kenntlich.

Das Ding ist ein Stück mit viel Potenzial, das Sandra Schüddekopf hier klug ausgewertet hat. Es bleibt spannend bis zum Schluss. - PS: Schräges Vorspiel mit Magellans Weltumsegelungs-Antrag. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 22.1.2014)

Bis 19. 2. 

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Theater Drachengasse

  • Yodit Riemersma und Dirk Warme in Philipp Löhles "Das Ding" im Theater Drachengasse.
    foto: andreas friess

    Yodit Riemersma und Dirk Warme in Philipp Löhles "Das Ding" im Theater Drachengasse.

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