Nach Explosion in Golling: Ein Laster voll Granaten

21. Jänner 2014, 18:25
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Abtransport der scharfen Sprengkörper verzögert sich - Scheune war nicht versperrt - "In dem Wohnhaus war es hochgradig gefährlich"

Golling - Nach der Explosion einer Granate in einem Wohnhaus in Golling (Tennengau) mit einem Schwerverletzten in der Vorwoche und der Sicherstellung eines Arsenals mit Waffen, Munition und Kriegsrelikten ist die Polizei am Dienstag auf einen weiteren großen Fund an Kriegsmaterialien gestoßen. Es handelt sich um 40 bis 50 Kisten mit scharfen Granaten, die in einer Scheune in Golling gelagert waren.

Die bisher nicht versperrte Scheune wurde polizeilich gesichert und abgesperrt. Die Beamten des Entminungs- und Entschärfungsdienstes waren noch mit der Sicherstellung und dem Abtransport von tonnenweise scharfem Kriegsmaterial aus dem Wohnhaus in Golling, wo am vergangenen Donnerstag eine Granate explodiert war, beschäftigt. Darum blieben die Kisten mit den bis zu 50 Zentimeter langen Granaten, die einen Durchmesser von bis zu zehn Zentimeter aufweisen, vorerst noch in der Scheune verwahrt.

Ermittler über Ausmaß überrascht

Der Leiter des Landesamtes Verfassungsschutz, Hermann Rechberger, zeigte sich bei einer Pressekonferenz überrascht über das Ausmaß des Fundes in der unversperrten Hütte im Ortsgebiet von Golling. Die Ermittler gehen davon aus, dass der 42-jährige Gollinger, der einen Handel mit Militaria betrieben und beim Entschärfen eines Sprengkörpers in der Vorwoche am Rücken schwere Verbrennungen erlitten hat, die Granaten dort gehortet hat.

Eine Einvernahme durch die Polizei sei bisher aufgrund einer Operation des Verletzten und der Einnahme starker Schmerzmittel noch nicht möglich gewesen, sagte Rechberger. Gegen den 42-Jährigen wird wegen Vergehen nach dem Kriegsmaterialgesetz und wegen Gefährdungsdelikte nach dem Strafgesetzbuch ermittelt. Rechberger schließt auch nicht aus, dass es allfällige Mit- oder Beitragstäter gibt. Ob nicht nur entschärftes Kriegsmaterial, sondern auch scharfe Geschoße oder Granaten verkauft wurden, konnten die Ermittler vorerst noch nicht eruieren. Hinweise auf eine kriminelle Vereinigung lagen der Polizei nicht vor.

"Es ist unglaublich, eine so große Zahl scharfer Munition anzuhäufen", zeigte sich der Leiter des Landesamtes Verfassungsschutz erstaunt. "Es war hochgradig gefährlich in dem Wohnhaus in Golling. Es hätte in die Luft gehen können, was auch für die Umgebung gefährlich gewesen wäre. Im Haus sind Hunderte Granaten und Patronen gefunden worden. Es grenzt an ein Wunder, dass die Feuerwehrleute nicht zu Schaden gekommen sind."

Sicherstellung ist "brandgefährlich"

Die Sicherstellung des sprengfähigen Materials ist laut Rechberger "nicht nur Knochenarbeit, sondern brandgefährlich". "Gegen Ende der Woche werden wir erste Ergebnisse bekommen, was die Tatortarbeit betrifft." Die Räumung des Wohnhauses von den gefährlichen Materialen werde noch etwa zehn bis 14 Tage dauern. In dem Wohnhaus lebten nach Angaben von Rechberger bisher zwei bis drei Personen.

Werner Tobisch vom Entmindnungsdienst zufolge stammt das gehortete Kriegsmaterial offenbar vorwiegend aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie aus den napoleonischen Kriegen. Es wurden auch Übungshandgranaten des Bundesheeres sichergestellt. Die Kisten, die in der Scheune lagern, könnten vom Bundesheer stammen. "Diese Kisten kann man ohne Inhalt kaufen", sagte Rechberger.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Militaria-Händler so manches aus Geldnot veräußert hatte. Der 42-jährige Gollinger habe selbst erzählt, dass er mit Metalldetektoren Kriegsschauplätze und Truppenübungsplätze des Bundesheeres nach Fundstücke abgesucht habe, erklärte Rechberger. Der Militaria-Händler ist auch Mitglied eines einschlägigen Vereines. "Die Streifzüge des Mannes reichten bis in die Normandie", schilderte Rechberger. "Er hat angegeben, dass er legal mit den Materialien handelt und er alles unbrauchbar gemacht hat, bevor er es privat verkaufte." Doch das Ausgraben von Kriegsmaterialien und Horten zu Hause sei ein Delikt nach dem Kriegsmaterialgesetz.

Vorläufiges Waffenverbot verhängt

Der Beschuldigte besaß eine Besitzerkarte für zehn Schusswaffen, es wurden bisher aber nur fünf davon gefunden. Die Karte war ihm nach der Explosion entzogen worden. Gegen den Gollinger wurde ein auch vorläufiges Waffenverbot verhängt. Die Staatsanwaltschaft hat mittlerweile eine Hausdurchsuchung angeordnet.

Die Explosion am vergangenen Donnerstag im Keller des Wohnhauses in Golling passierte offenbar beim Versuch des 42-Jährigen, eine 14 Zentimeter lange Granate mit 13 Millimeter Durchmesser zu entschärfen. Der Mann hatte schon zuvor Patronen aufgeschnitten und das Schwarzpulver entfernt. Beim Delaborieren der Granate trat aber vermutlich Phosphor aus. Durch die Einwirkung von Luft soll sich dann zusammen mit dem Schwarzpulver ein zündfähiges Gemisch ergeben und die Explosion ausgelöst haben.

Bereits der mittlerweile verstorbene Vater des Gollingers hat einen Handel mit Militaria betrieben. Der 42-Jährige selbst legte eine Sprengbefugnisprüfung ab, so Rechberger. "Er dürfte ein großes Fachwissen haben." Die entschärften Patronen seien als Schmuckstücke sehr begehrt, diese könne man um rund zwölf Euro verkaufen. "Er hat am Schluss aber sehr unsauber gearbeitet, überall lagerte lose Sprengstoff." Der Besitzer der Scheune steht laut Polizei in einem familiären Nahverhältnis zu dem Beschuldigten. (APA, 21.1.2014)

  • In diesem Stadl in Golling wurden Kriegsrelikte gehortet.
    foto: apa/neumayr/mmv

    In diesem Stadl in Golling wurden Kriegsrelikte gehortet.

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