Die Vervolkstümlichung einer Nation

Leserkommentar21. Jänner 2014, 17:06
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Über die "Vervolkstümlichung" der Österreichischen Musikkultur und Parallelen in der Politik

Bilde ich mir das nur ein? Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Musikkultur in Österreich in letzter Zeit eine erschreckende Tendenz zur "Vervolkstümlichung" durchmacht. Da treten junge Interpreten in Lederhosen vor einer nicht weniger fragwürdigen Jury in "Herz von Österreich" auf und kopieren den derzeit hoch erfolgreichen Stil von "Volksrocker" Gabalier. Da schmeißen sich Kuschelsänger in 70er-Jahre-Outfits, um in Rüschenhemden und Schmalzlocke schwulstige Schlager in mehr oder weniger gekonntem Tremolo darzubieten.

Als "Experten" werden heimische Kulturgrößen wie DJ Ötzi und Stephanie Werger reanimiert, und auch die Volkspoeten von "die Seer" dürfen ihren Senf dazu geben. Ganz zu schweigen von dem jungen Musikkritiker Lukas Plöchl, dessen Kompetenz sich darauf gründet, dass er zuletzt Österreich beim European Songcontest vertrat mit "Woki mit dem Popo".

Angesichts dessen, was sich in unserem Land im 18. und 19. Jahrhundert mal in musikalischer Hinsicht abgespielt hat, könnte einem wirklich übel werden. Erleben wir derzeit eine Renaissance des Biedermeier? Subjektiv betrachtet hatte Österreich in musikalischer Hinsicht bei Gott schon wesentlich Besseres zu bieten.

Alpinburka

Aber nicht nur in der Musik lässt sich ein Trend zur übertriebenen Bodenständigkeit beobachten. Der Kärntner-Janker, in manchen Kreisen auch "Alpinburka" genannt, erfreut sich nicht nur bei FPK Politikern großer Beliebtheit, verbinden viele doch Werte wie Tradition, Handschlagqualität, Volksverbundenheit und Patriotismus mit dieser Kleidung. Und ebendiese Ideale sind es, in die sich die Menschen dieses Landes in wirtschaftlich unsicheren Zeiten wie diesen flüchten.

Tradition und Volksnähe

Der politische Rechtsruck, den wir derzeit in diesem Land erleben, kann als logische Fortführung dieser Entwicklung angesehen werden. Doch es ist eine gefährliche Gratwanderung zwischen Patriotismus und Nationalismus. Strache hat sich diesen Trend schon lange zu eigen gemacht. Bewusst wird bei seinen Auftritten auf Tradition und Volksnähe gesetzt. Und was liegt da näher als die Angst vor dem Anderen, dem Nichtösterreichischen, dem nicht dieser Kultur angehörigen zu schüren. Offensichtlich mit Erfolg.

Die Rechtsextreme Szene in diesem Lande freut sich über einen Zulauf wie noch nie dagewesen. Geschickt wird in Sozialen Medien von der FPÖ um die Gunst dieser Wählerschicht gebuhlt, indem in regelmäßigen Abständen von FPÖ Parteianhängern Wortspenden gepostet werden, die an der Grenze zur Wiederbetätigung und auch darüber sind. Geschadet hat das offenbar nicht. Die Österreichische Seele gewöhnt sich daran. Und das ist beängstigend.

Rainer Barta (47) wohnt in Bregenz und ist in der Informatik als Programmierer und DB Admin tätig.

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