Das Manifest für eine andere Welt

24. Jänner 2014, 18:53
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Renée Schroeder ist eine der erfolgreichsten Wissenschafterinnen Österreichs. Der Wittgenstein-Preis von 2003 legt Zeugnis davon ab. Sie ist aber auch eine der populärsten Wissenschafterinnen des Landes und lässt sich daher massenmedial bestens "vermarkten". Schroeder spricht mit Leidenschaft über ihre Arbeit und über ihre Einstellung zu den Naturwissenschaften im Allgemeinen und zur Kirche im Besonderen.

Seit kurzem schreibt die Atheistin auch Bücher - gemeinsam mit der Journalistin Ursel Nendzig: Nach Die Henne und das Ei 2011 legen die beiden Autorinnen nun Von Menschen, Zellen und Waschmaschinen vor. Es geht in diesem Buch nicht um alles, sondern um fast alles, was denkenden Menschen im Zusammenhang mit dem Streben nach Wachstum, der Krise der Ressourcen und der Gestaltung der Zukunft einfällt. Was im Untertitel als "Anstiftung" bezeichnet wird, ist ein im Ton eines Cafégesprächs geschriebenes Manifest des Guten mit vielen Rufzeichen und Aussagen, die so einfach sind, damit es auch jeder Leser und jede Leserin verstehen kann.

Um auch ein paar Fragezeichen zu setzen: Braucht es dabei Sätze wie "Wir müssen handeln - das ist unsere einzige Chance", um Menschen zu warnen? Ist das Problem der Ressourcenknappheit nicht längst so deutlich, dass Texte differenzierter an das Thema herangehen könnten? Muss ein Glossar in einem Wissenschaftsbuch "Stoffwechsel" oder "Stress" erklären? Oder darf man Leser auch fordern? Und kann man die derzeitige Krise in einem der finalen Kapitel wirklich auf die jahrhundertelange Unterdrückung der Frau reduzieren? Männliche Attribute prägen die Wirtschaft, sehr richtig. Aber ist die Lösung, so wie Schroeder schreibt, Frauen mehr Waschmaschinen zu geben, damit sie nicht mehr so viel mit der Hand waschen und mehr Zeit für Bildung und für die Rettung der Welt haben? (Peter Illetschko, DER STANDARD, 22.1.2014)

  • Renée Schroeder: "Von Menschen, Zellen und Waschmaschinen". Residenz 2014, 21,90 Euro
    cover: residenz

    Renée Schroeder: "Von Menschen, Zellen und Waschmaschinen". Residenz 2014, 21,90 Euro

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