"Die meisten wollen immer noch werden, was die Eltern sind"

22. Jänner 2014, 07:00
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Zum 13. Mal veranstaltet der Verein Sprungbrett die FIT-Infotage in Österreich - Frauen und Technik zusammenzubringen ist ihr Ziel

Nur für Frauen sind die Workshops, in denen Schülerinnen der 7. und 8. Klassen höherer Schulen auf die FIT-Studien-Informationstage aufmerksam gemacht werden. "Das unterscheidet FIT von allen anderen Tagen der offenen Tür", unterstreicht Susanne Gugrel-Steindl, Geschäftsführerin vom Verein Sprungbrett. Nur wenn die Buben nicht in der Klasse seien, trauten sich die Mädchen, durchaus vorhandenes Interesse an technischen Berufen auch öffentlich zu bekunden.

Darum geht es nämlich, bei den FIT-Informationstagen: Mädchen und jungen Frauen Perspektiven auf Berufsfelder zu eröffnen, die ihnen vielleicht nicht gleich in den Sinn kommen. Angewandte Elektrotechnik etwa oder molekulare Biotechnologie. Bereits zum 13. Mal organisiert der Verein Sprungbrett die Infotage, die dieses Jahr am 27. und 28. Jänner 2014 an der TU Wien stattfinden werden. Ziel ist es, mehr Frauen für technische Berufe zu gewinnen.

Mehr als 2000 Mädchen in einem Jahr erreicht

"Das ist ja eine sehr unneue Erkenntnis, dass zu wenig Frauen eine technische, akademische Ausbildung wählen", sagt Gugrel. "Deshalb fehlt ein großes Potenzial an denkenden Menschen für die Wirtschaft." Das hätten inzwischen auch die Unternehmen eingesehen, allein: Rollenbilder änderten sich nicht so schnell. Und da setzt der Verein Sprungbrett an. Zu den eingangs erwähnten Workshops an den Schulen werden weibliche Rolemodels, also Frauen, die bereits technische Studien abgeschlossen haben, geschickt. Mehr als 2000 Mädchen wurden an Schulen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland im Jahr 2013 erreicht.

"Ein Problem haben wir dort, wo schon die Direktorin und der Direktor sagen: Unsere Schülerinnen interessiert das nicht", erzählt Gugrel-Steindl. Ist diese Eingangshürde überschritten, kann die Maßnahme greifen – und die Rolemodels loslegen. Sie informieren die Mädchen über die diversen technischen und naturwissenschaftlichen Ausbildungen. Bei den FIT-Infotagen wird diese Basisinformation vertieft. Am ersten Tag gibt es Vorträge und Gespräche, alle Universitäten, Fachhochschulen und Unternehmen, die sich beteiligen, stellen sich vor. Neben der TU Wien sind das der FH Campus Wien, das Technikum Wien, die Universität für Bodenkultur sowie Unternehmen wie zum Beispiel der Verbund oder die OMV.

Erfahrung geht über Erklärung

Am Montag Nachmittag sowie am Dienstag, 28. Jänner, werden die interessierten Teilnehmerinnen dann an die verschiedenen Institute begleitet. "Es macht einen großen Unterschied, ob ich etwas erklärt bekomme, oder die direkte Erfahrung mache. Ich selbst konnte mir zum Beispiel auch nichts unter Verfahrenstechnik vorstellen. Das ist jetzt anders", sagt Gugrel-Steindl.

Rund 250 Mädchen werden auch wieder bei den FIT-Infotagen erwartet. Damit jede einzelne auch tatsächlich das zu sehen kriegt, was sie interessiert, ist eine Anmeldung vorgesehen. Die Teilnahme ist für alle Mädchen kostenlos, für die Teilnehmerinnen besteht die Möglichkeit einer Schulfreistellung. Diese Schulfreistellung ist die inzwischen einzige Unterstützung des BMUKK (2013 noch Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur) für die FIT-Infotage.

Das Gesamtbudget hat sich seit den Anfängen halbiert, eine genaue Zahl will Susanne Gugrel-Steindl offiziell nicht nennen, "weil sonst wieder der Betrag auf jedes einzelne Mädchen herunter gerechnet wird" – und das sei kontraproduktiv. Wie viele Mädchen nach den FIT-Infotagen tatsächlich ein technisches Studium wählen, darüber liegen dem Verein Sprungbrett keine genauen Zahlen vor. Nur die Technische Universität befragt schon länger ihre Neuinskribierenden zum Grund ihrer Studienwahl. "Uns ist schon klar, dass wir eigentlich schon im Kindergartenalter mit dem Aufbrechen von Rollenbildern beginnen sollten", sagt Gugrel-Steindl, "und da passiert ja auch viel inzwischen."

Und weiter: „Wir freuen uns, wenn wir die, die sich so schon interessieren, bestärken können. Ganz wichtig dabei, ist es auch, das familiäre Umfeld zu erreichen, die Mütter, die Väter, die Tanten. Die meisten wollen ja noch immer werden, was die Eltern sind."

Zu der Idee, statt einer Berufsinformationsmesse einmal einen ganz anderen, neuen Zugang zu den jungen Frauen zu suchen, wie es die Science-Soap "Sturm des Wissens" versucht, sagt sie: "Das ist ein interessanter, erfrischender Ansatz, auf Bildungsinhalte mit zeitgemäßen Medienformaten zuzugehen." Auf Socialmedia wie Facebook und Twitter sind die Infotage klarerweise seit längerem vertreten. (Tanja Paar, dieStandard.at, 22.1.2014)

Weitere Informationen:

www.fitwien.at

Fit Wien, Niederösterreich und Burgenland auf Facebook

@fitwien auf twitter

Die FIT-Infotage finden am 27. & 28.1. 2014 von 7.30 bis 18 Uhr statt

Die Anmeldung ist noch bis einschließlich 27.1. möglich

Hotline: 0680/400 87 15

Verein Sprungbrett für Mädchen

Hütteldorferstraße 81b, Stiege 1, Top 4

Tel: 01/789 45 45

Mo bis Do 9-17 Uhr und nach Vereinbarung

Die Science-Soap "Sturm des Wissens" will junge Frauen für technische Berufe gewinnen

  • Erfahrung geht über Erklärung: Weibliche Rolemodels erklären im Rahmen der FIT-Infotage, was sie tagtäglich im Labor machen.
    foto: sprungbrett/gradwohl.

    Erfahrung geht über Erklärung: Weibliche Rolemodels erklären im Rahmen der FIT-Infotage, was sie tagtäglich im Labor machen.

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