Hubert Burda: "Man kann online nicht nur von Qualitätsjournalismus leben"

21. Jänner 2014, 15:58
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US-"Wall Street Journal" versucht sich an Native Advertising, Jakob Augstein hält nicht viel von einer "amerikanischen Debatte" für Deutschland

Journalistischer Idealismus stieß auf verlegerischen Geschäftssinn bei der "Future of Journalism"-Diskussion auf der DLD14-Konferenz in München. Am Montag fand sich dort ein Runde renommierter Medienmacher zusammen, namentlich Rebecca Blumenstein (WSJ), Jakob Augstein (Der Freitag), Cyndi Stivers (Tina Brown Live Media) und Jochen Wegner (Zeit Online), um die Zukunft des Journalismus zu diskutieren. Zum Thema Journalismus gab es aber trotz einiger Ansätze wenig zu hören. Wie so oft in Zeiten des digitalen Umbruchs ging es vornehmlich um funktionierende und sterbende Geschäftsmodelle in der Branche.

Jakob Augstein, Herausgeber von "Der Freitag", kritisierte ganz im Einklang mit seiner Inszenierung als politischer Kämpfer für die Gerechtigkeit, die derzeitige Praxis deutscher Verlagshäuser ihre digitalen Einkünfte zum großen Teil in journalismusfremden Unternehmungen zu erzielen. Prompt erregte er damit den im Publikum sitzenden Vorstand des Burda-Verlags und Konferenzausrichter Hubert Burda. Einmal mehr beklagte er vor Publikum, dass die Rubrikenmärkte in den Bereichen Stellenanzeigen und Autoanzeigen für Print verschwunden seien und sie das durch digitale Investments in Xing und Plattformen wie Holidaycheck, Elitepartner und Jameda kompensiert hätten. Um schließlich zu seiner Kernaussage zu kommen: "Man kann online nicht nur von Qualitätsjournalismus leben."

Augstein: "Amerikanische Debatte"

Augstein konstatierte der Konferenz des weiteren interessante Panels und Projekte, gab jedoch zu bedenken, dass die geführten Diskussionen seiner Meinung nach einer amerikanischen Debatte folgen würden. In Deutschland sei im Verlagswesen genauso wie vor fünf Jahren nur mit Papier Geld zu verdienen. Die amerikanischen Modelle würden sicherlich in deren Ökosystem funktionieren, sowie das viel zitierte Projekt "Upworthy" von Eli Pariser, jedoch gebe es kulturelle Unterschiede. Auch in der digitalen Ära könnten Modelle nicht 1:1 übertragen werden, sondern müssten im entsprechenden Land oder Kulturraum aufgebaut werden.

Trotz Augsteins Absage an das amerikanische Modell hatte die Chefredakteurin des "Wall Street Journal" denn doch einige interessante Neuigkeiten zu berichten. Mit großem Interesse würde sie die Veränderung der digitalen Angebote beobachten, zum Beispiel das Engagement eines investigativen Journalisten bei "Buzzfeed" oder die Veränderungen zu bei Yahoo hin zum Nachrichtenlieferanten. Des weiteren gab sie bekannt, dass das "WSJ" sich nun auch trotz großer Bedenken dem Thema "Native Advertising" annähere und auf der frisch gelaunchten Tech-Website in einem klar gekennzeichneten Stream mit der umstrittenen Werbeform experimentieren.

Auch zum Einwurf von Hubert Burda hatte Blumenstein noch ein Kommentar in peto. Ganz im Gegenteil zu den Entwicklungen in Deutschland sei die Samstagsauflage in den USA sogar im Wachsen begriffen und habe zudem einen neuen Immobilienteil im Umfang von 18 Seiten eingeführt, der funktioniere. Die Menschen hätten immer noch Zeitfenster für Print, auch wenn Digital ständig stärker werde und ein Drittel der Zugriffe bereits über Mobile kommen. (tara, derStandard.at, 21.1.2014)

  • Jakob Augstein (Der Freitag), Jochen Wegner (Zeit Online), Rebecca Blumenstein (WSJ), Cyndi Stivers (Tina Brown Live Media) bei der DLD14.
    screenshot: dld-conference.com

    Jakob Augstein (Der Freitag), Jochen Wegner (Zeit Online), Rebecca Blumenstein (WSJ), Cyndi Stivers (Tina Brown Live Media) bei der DLD14.

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