Tanzquartier Wien: Antonia Baehr belebt den Dodo

21. Jänner 2014, 17:54
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Die Tänzerin erörtert in ihrer neuen Performance die Themen Verwandlung und Animalität. Am Freitag und Samstag in Wien

Besonders berührt von Antonia Baehrs fabelhafter Soloperformance "Abecedarium Bestiarium" sind wohl jene Besucherinnen und Besucher, die eine Nähe zur Tierwelt haben. Kommenden Freitag und Samstag ist diese sanfte, aber stellenweise unheimliche Arbeit, die im Vorjahr bereits beim Steirischen Herbst zu Gast war, im Tanzquartier Wien zu sehen.

Die spätestens seit ihrem Erfolg "Lachen" (2008) renommierte, in Berlin lebende Künstlerin ist nach früheren Auftritten im Tanzquartier - darunter 2011 mit For Faces - auch in Wien bekannt. Nun hat sie neun persönliche Freunde und ihr nahestehende Künstler eingeladen, sich mit je einem ausgestorbenen Tier zu beschäftigen und ein kurzes Stück darüber zu schreiben. So werden u. a. der Tasmanische Tiger oder Beutelwolf, die Steller'sche Seekuh, die Martelli-Katze und der von Alice im Wunderland bekannte Vogel Dodo wieder zum Leben erweckt.

Baehr nutzt ihre Identität als queere Performerin nicht, um mit den so entstandenen Geschichten einen Nachruf auf verschwundene Arten zu erstellen - sondern vielmehr, um zu erörtern, was Verwandlung und Animalität in unserer Gegenwartskultur bedeuten könnten. Und um dem Nachhall von Belegen der Ausrottung neues Gehör zu verschaffen. Die geteilte Autorenschaft zwischen Baehr und den Schöpfern der einzelnen Teile des Stücks verändert dessen Wirkung. Hier spricht eine Gruppe, keine Einzelfantasie.

Bei "Abecedarium Bestiarium" - Untertitel: "Affinitäten in Tiermetaphern" - sitzt das Publikum nicht in seinen Stuhlreihen. Stattdessen folgt es Antonia Baehr in einem eigens mit raffinierter Penibilität gestalteten Raum von Station zu Station. Dort erwachen neun jeweils ganz unterschiedliche Szenarien zu geheimnisvollem Leben. (ploe, DER STANDARD, 22.1.2014)

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