Parlaments-Homepage nicht für TOR-Nutzer erreichbar

22. Jänner 2014, 13:08
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Bundesrechenzentrum sperrt gehostete Seiten aus Sicherheitsgründen

Wer dieser Tage in einem TOR-Browser die Seite des Parlaments ansurfen möchte oder seinen Lohnsteuerantrag über Finanz Online erledigen will, wird die entsprechenden Seiten nur auf "konventionellem" Weg erreichen können. Mit dem anonymen Netzwerk ist der Besuch dieser Seiten nämlich nicht möglich.

Anonymisierungsnetzwerk

Seit dem Aufkommen des NSA-Skandals hat sich die Anzahl von Nutzern des Anonymisierungsnetzwerkes TOR deutlich erhöht. Das Netzwerk ermöglicht es, Browsing oder Instant Messaging anonym zu benutzen – der Nutzer hinterlässt keine Spuren. Nicht einmal der Geheimdienst NSA kann den Datenverkehr in TOR zur Gänze auslesen - der WebStandard berichtete. In Syrien nutzen beispielsweise Aktivisten das Netzwerk, um sich zu vernetzen und dabei unerkannt und anonym agieren zu können.

Sperre von Websites

Ein WebStandard-Leser hat die Redaktion darauf aufmerksam gemacht, dass einige *.gv.at-Adressen von verschiedenen Exid Nodes aus nicht erreichbar sind. Verwunderlich für eine Behörde, aber nicht ungewöhnlich für einen Webseiten-Betreiber. Aus Sicherheitsgründen sperren einige Betreiber Tor für ihre Websites. Der Grund: Angriffe auf die Seite und Versuche, diese lahmzulegen oder an Daten zu kommen.

Hosted by BRZ

Geblockt werden zum Beispiel die Seiten des Finanzministeriums, aber auch die Parlamentsseite, Help.gv.at und die Open-Data-Plattform data.gv.at. Diese Websites werden vollständig vom Bundesrechenzentrum gehostet. Andere Websites wiederum sind problemlos abrufbar, beispielsweise bmukk.gv.at oder bka.gv.at.

"Nicht vorgesehene Nutzung"

Auf Anfrage beim Bundesrechenzentrum heißt es von Pressesprecherin Barbara Blovsky, dass das BRZ seinen Kunden gegenüber eine hohe Verfügbarkeit gewährleisten müsse. Deshalb würde die Behörde IP-Adressen sperren, von denen Zugriffe auf die betriebenen Systeme erfolgen, die "nicht der vorgesehenen Nutzung entsprechen". Vorstellbar ist also, dass durch Tor-Nutzer Versuche unternommen wurden, die Systeme zu manipulieren. Genaueres war bislang aus der Behörde nicht zu erfahren. (iw, derStandard.at, 21.1.2014)

  • Das Tor Projekt will Internetnutzern anonymes Surfen ermöglichen
    screenshot: torproject.org

    Das Tor Projekt will Internetnutzern anonymes Surfen ermöglichen

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