Klitschko: Bewegung in der Ukraine außer Kontrolle

21. Jänner 2014, 15:16
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Oppositionspolitiker befürchtet Tote, wenn Regierung mit Repressalien weitermacht - Russland gibt Westen Mitschuld

Kiew/Moskau - Nach neuen Angriffen radikaler prowestlicher Demonstranten auf Sicherheitskräfte bleibt die Lage in der ukrainischen Hauptstadt Kiew angespannt. Hunderte Gewaltbereite warfen in der Nacht zum Dienstag Brandsätze und Steine auf Polizisten. Der ukrainische Oppositionspolitiker Vitali Klitschko räumte ein, dass die Opposition "die Bewegung nicht mehr unter Kontrolle" habe.

"Wenn (der prorussische Präsident Viktor) Janukowitsch mit seinen Repressalien so weitermacht, würde es mich nicht wundern, wenn es bald Tote zu beklagen gibt", schrieb er in einem Gastbeitrag für die "Bild"-Zeitung (Dienstag). Schuld daran sei die Regierung von Janukowitsch, der acht Wochen lang nicht darauf gehört habe, was Hunderttausende Menschen von ihm friedlich gefordert hätten.

Lawrow kritisiert Westen

In Moskau gab der russische Außenminister Sergej Lawrow dem Westen eine Mitschuld an den Gewaltexzessen. Mit ihrer Teilnahme an den Straßenprotesten versuchten Politiker westlicher Länder, die diplomatische Beziehungen zur Ukraine pflegen, Gewalt zu provozieren. Die Opposition in Kiew verletze selbst die europäischen Regeln, sagte Lawrow vor Journalisten. Nur ein Dialog und keine Einmischung von außen könne die Lage beruhigen.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zeigte sich unterdessen besorgt über die gewaltsamen Ausschreitungen in der Ukraine. Er verfolge die Ereignisse weiter sehr genau, sagte Ban laut Mitteilung der Vereinten Nationen in der Nacht zum Dienstag. Er rief erneut alle Beteiligten zur Zurückhaltung auf, um weitere Eskalation und Gewalt zu verhindern. Meinungs- und Versammlungsfreiheit müssten gewährleistet sein. Ban rief zudem alle Seiten erneut zum Dialog auf.

Die Opposition in der Ukraine fordert unter anderem vorgezogene Präsidenten- und Parlamentswahlen sowie die Rücknahme des verschärften Demonstrationsrechts. Entsprechende umstrittene Gesetze sollen an diesem Mittwoch in Kraft treten.

Klitschko spricht von Schlägern der Regierung

Klitschko warf der Führung um Janukowitsch vor, sie wolle die Situation destabilisieren und Chaos schaffen. "Schläger wurden in die Hauptstadt gebracht, um Autos anzuzünden, Schaufenster einzuschlagen, zu stehlen und Schlägereien zu provozieren", behauptete der Ex-Boxweltmeister. Er habe persönlich zwei Provokateure gestellt.

Auf Videos führten selbst ernannte "Selbstverteidigungskräfte" Dutzende junge Männer vor, die angeblich für Chaos sorgen sollten. Gewaltbereite Ultranationalisten forderten Janukowitsch auf, ins Exil zu gehen. Andernfalls könnten Leib und Leben des Präsidenten und seiner Familie nicht mehr garantiert werden, hieß es in einer Mitteilung.

Bei den Straßenschlachten waren seit Sonntag insgesamt mehr als 200 Menschen verletzt worden. Die Ausschreitungen waren nach einer Massenkundgebung gegen die Verschärfung des Demonstrationsrechts und andere umstrittene Gesetze ausgebrochen. Das Innenministerium in Kiew berichtete von mindestens 119 verletzten Sicherheitskräften. 80 Beamte würden noch in Kliniken behandelt. Etwa einem Dutzend der festgenommenen Demonstranten droht jahrelange Haft wegen der Teilnahme an Massenunruhen. (APA, 21.1.2014)

  • Vitali Klitschko vermutet, dass die ukrainische Regierung Schläger nach Kiew gebracht hat .
    foto: ap/sergei chuzavkov

    Vitali Klitschko vermutet, dass die ukrainische Regierung Schläger nach Kiew gebracht hat .

  • Kiew, 21. Jänner: nach den gewalttätigen Ausschreitungen liegen Pflastersteine auf der Straße
    foto: reuters/gleb garanich

    Kiew, 21. Jänner: nach den gewalttätigen Ausschreitungen liegen Pflastersteine auf der Straße

  • Pro-EU-Demonstrant mit Molotow-Cocktail
    foto: reuters/vasily fedosenko

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