Verbund-Chef: "Blutspur der Energiewende"

21. Jänner 2014, 13:50
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Berlin - "Die Blutspur der Energiewende schlägt sich auch in unseren Bilanzen nieder" kritisierte Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber am Dienstag bei der Handelsblatt-Jahrestagung "Energiewirtschaft 2014" in Berlin. Die deutsche Energiepolitik sei damit plötzlich auf einen "planwirtschaftlichen Ansatz" umgeschwenkt. "Wir haben immer mit Respekt auf Deutschland geschaut", sagte er.

Mit insgesamt fast 75 Prozent erneuerbarer Energien habe Österreich eine andere Ausgangssituation als Deutschland, räumte der Verbundchef ein. Wasserkraft sei die einzige erneuerbare Energie, die ohne Förderung auskommen könne. Österreichs Sicht auf die Energiewende sei aber keine Außensicht, denn Österreich und Deutschland seien ein gemeinsamer Strommarkt. "Wir betreiben ja auch im süddeutschen Raum Wasser- und Windkraftwerke und kennen die Situation", sagte Anzengruber. "Durch die nicht passende Architektur kommen wir eine Situation, dass wir in den Zielsetzungen der Energiewende nichts erreicht haben: Das Eis ist dünner geworden, was die Energiesicherheit betrifft." Außerdem sei es im grenzüberschreitenden Handel zu einer dramatischen Entwicklung gekommen: Das zeitweise Aussetzen des grenzüberschreitenden Handels habe sich in den letzten Jahren verzehnfacht.

Asset

"Wir sitzen auf einem topografischen Asset mit den Pumpspeicherkraftwerken, aber die Grenzen sind nur teilweise offen", kritisierte der Verbundchef. "Wir könnten einiges im süddeutschen Raum zur Stabilität beitragen." Die Energiewende sei eine "unabgestimmte" gewesen. "Ich kann mich an keine Gespräche erinnern, wo man uns gefragt hätte: wie machen wir das?" Laut Anzengruber droht die Gefahr von Renationalisierungsbestrebungen: "Kapazitätsmärkte wären die Fortführung dieses planwirtschaftlichen Ansatzes", sagte er.

Ziel sei die CO2-Reduktion. "Ich glaube Förderung ist Gift für die freie Marktwirtschaft", so Anzengruber. "Es ist eine Anmaßung der Politik zu meinen, die richtigen Entscheidungen für Energieförderungen zu treffen."

Für eine europäische Energiepolitik forderte der Verbundchef eine übergeordnete Zielsetzung: "Die erneuerbaren Energien sind doch nur Mittel zum Zweck, eine Reduktion der Emissionen zu erreichen", sagte er. Zweitens gehe es um die Frage, ob man ein markt- oder planwirtschaftliches Szenario wolle. Als dritten Punkt verlangte er grenzüberschreitende Mechanismen statt Nationalismen. "Was dieser Sektor verloren hat, ist Synchronisation", fügte Anzengruber an. "Wir erzeugen Kraftwerke ohne Netz-Anschluss. Das hatten wir 30 Jahre nicht. Was die Wirtschaft in dieser Zeit an Wert verloren hat, ist ein Betrag, der nicht mehr zweistellig ist." Ein nationales Vorgehen werde jedenfalls für die Kunden und den Wirtschaftsstandort teurer. (APA, 21.1.2014)

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