Google und Facebook dominieren in Entwicklungsländern den Internetzugang

21. Jänner 2014, 12:18
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Kostenlose Angeboten für Millionen Menschen -Kritik: "Ungleichheiten werden nur weiter verstärken"

Die Entscheidung eines US-Berufungsgerichts, die Regeln der Aufsichtsbehörde FCC zur Gleichbehandlung von Datenpaketen zu kippen, hatte für weltweites Aufsehen gesorgt. Internetanbieter dürfen dank des Urteils nun Deals mit Website-Betreibern abschließen, um deren Seite gegen einen Aufpreis schneller zugänglich zu machen. Gleichzeitig können andere Websites blockiert oder verlangsamt werden. Die EU-Kommission hatte in einem Vorschlag ähnliche Regeln vorgestellt. Kritiker wie die Initiative savetheinternet.eu befürchten die Entstehung eines Zwei-Klassen-Internets, in dem große Konzerne bevorzugt werden.  Außerdem könnten private Telekomunternehmen zum Zensor erhoben werden. In weiten Teilen der Welt sind diese Befürchtungen partiell bereits Realität, hauptsächlich dank Google und Facebook.

Facebook und Google: Deals mit Telekomanbietern

Die beiden US-Internetriesen schließen in vielen Entwicklungsländern exklusive Deals mit Telekomanbietern ab, durch die Nutzer kostenlosen Zugang zum Internet erhalten. Allerdings handelt es sich dabei nicht um das „Internet" im klassischen Sinn, sondern vielmehr um die Facebook- oder Google-Version des Internets. So ermöglicht Google Kunden des größten indischen Telefonproviders Airtel die kostenlose Datennutzung von bis zu einem Gigabyte. Damit kann allerdings lediglich auf Gmail, Google+ und die Google-Suche zugegriffen werden.  Direkte Suchergebnisse sind noch inkludiert; wird das Google-Universum verlassen, werden Gebühren fällig. Ähnliches gilt für „Facebook Zero", das 2010 vom sozialen Netzwerk eingeführt wurde. User erhalten hierbei eine rudimentäre Version des Facebook-Newsfeeds, bei einem Klick auf Fotos oder Links werden wiederum Gebühren fällig. Da Smartphones in den Entwicklungsländern mittlerweile zum wichtigsten Gerät für die Internetnutzung avancierten, sind Facebook-Zero und Google-Freezone für viele die einzige Möglichkeit, am Internet teilzuhaben.

„Kanonenfutter für die Werbebranche"

Kritiker sehen in solchen Angeboten eine existenzielle Gefahr für das Internet. Laut Susan Crawford, Internetforscherin der Elite-Universität Harvard, würden Facebook und Google mit ihren Angeboten Ungleichheiten nur weiter verstärken. Gegenüber dem MIT Technology Review befürchtet Crawford, dass „der Zugang zum Internet für ärmere Menschen gleichbedeutend zu Facebook wird". Allerdings würden die Kunden nicht zu Internetnutzern, sondern zu „Kanonenfutter für die Werbebranche".  Beschwerden kommen auch aus der Wirtschaft. So sorgten Facebook und Google laut dem kenianischen Start-Up-Gründer Erik Hersman durch ihre Angebote für eine Monopolstellung, die von kleineren Unternehmen nie durchbrochen werden kann.

Ressourcenstarke Unternehmen im Vorteil

Diese Probleme könnten bei einem Kippen der Netzneutralität auch in Europa und den USA auftauchen, etwa wenn Facebook oder Twitter mit Telekomanbietern vereinbaren, Kunden für die Nutzung der Website respektive ihrer Apps keine Gebühren zu verrechnen.  Neue Angebote wären dagegen quasi chancenlos. „Wired" weist darauf hin, dass auch Bildungseinrichtungen betroffen wären,  da diese auf Grund  begrenzter Ressourcen nicht für schnellere Datenpakete bezahlen könnten. Damit hätten etwa Schulen, Bibliotheken und Universitäten das Nachsehen.

Kampf um Netzneutralität geht weiter

Das letzte Wort dürfte – zumindest im Westen - noch nicht gesprochen worden sein: In den USA prüft die Aufsichtsbehörde FCC, gegen das kontroverse Urteil zu berufen; in der EU formieren sich Proteste gegen die Pläne der Kommission. In den Entwicklungsländern ist die Lage anders: Dort sind viele froh, überhaupt irgendeine Art von Internetzugang zu besitzen. Auch wenn die Zahl der Internetnutzer rasant steigt: So soll sich die Zahl der weltweiten Smartphone-Nutzer in den nächsten drei Jahren von 1,5 Milliarden auf 3 Milliarden verdoppeln. Der Großteil der neuen User stammt aus Entwicklungsländern – und hätte das Internet dann womöglich nur über Google und Facebook kennen gelernt. (fas, derstandard.at, 21.1.2014)

  • Traditionelles Netz in Indien
    foto: apa

    Traditionelles Netz in Indien

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